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Briefe an Angefochtene

Dr. med. A. Lechler

Von den Anfechtungen gemütskranker Menschen

Einleitung

Der gemütskranke Christ ist ein wahrhaft bedauernswerter Mensch. Denn er fühlt sich nicht nur von seiner Umgebung meist nicht verstanden, sondern er kann sich auch selbst in seiner komplizierten Art und seinem konfliktreichen Seelenleben nicht recht verstehen. Und – was für ihn das Schwerste ist – er kann Gott nicht verstehen, der ihn trotz seines Glaubens mannigfache Anfechtungen aufzuladen scheint. Wenn schon der seelisch gesunde Gläubige mit mancherlei Anfechtungen zu tun hat, so sind diese bei dem gemütskranken Christen geradezu die Regel. Dadurch erfahren aber seine inneren Qualen noch eine erhebliche Steigerung. So wird ihm die Tatsache zur Anfechtung, dass er unter seiner schwermütigen Veranlagung zu leiden hat, dass er trotz seines Glaubens an Gott nicht zum Frieden und zur Heilsgewissheit durchdringen kann, dass er mit Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen und mit Angst behaftet ist, dass er oft von Läster- und Selbstmordgedanken befallen wird, dass er von seinen unguten Erbanlagen, von seinen Bindungen an finstere Mächte nicht frei wird u. a. m. Solche Nöte treiben den Angefochtenen zu einem Seelsorger, bei dem er verständnisvollen Rat und Hilfe sucht. Ist dies nicht auf dem Wege einer persönlichen Aussprache möglich, so pflegt er sich schriftlich an ihn zu wenden. Die Briefe dieser Schwergeprüften, in denen sie von ihren zahlreichen, inneren Nöten berichten, gewähren einen tiefen, oft geradezu ergreifenden Einblick in ihr schweres seelisches Leid und rufen unser lebhaftes Mitgefühl wach. Lassen wir den angefochtenen Gemütskranken jedoch zunächst selbst reden. Die Antworten auf seine Briefe sind nicht in erster Linie vom Standpunkt des Psychologen her gegeben. Dem gläubigen Gemütskranken ist mit rein psychologischen Ausführungen nur sehr wenig gedient. Aber auch die übliche Seelsorge reicht bei ihm meist nicht aus – eine solche vermag ihn unter Umständen eher zu beunruhigen. Seelsorge an Gemütskranken ist ungleich schwieriger als Seelsorge an Gesunden. Der Seelsorger bedarf gegenüber den Gemütskranken in besonderem Masse eines liebevollen und geduldigen Verstehens. Der Ausspruch von Hudson Taylor: „Die meisten Menschen haben mehr Ermutigung nötig als Strafreden“ gilt ganz besonders für schwermütige Menschen. Nur eine ärztlich ausgerichtete Seelsorge, die die wahren Ursachen der inneren Nöte des Gemütskranken berücksichtigt, ist imstande, ihn wahrhaft zu verstehen und in der rechten Weise zu helfen. Aber auch der geschulte Seelsorger steht vielfach vor einer schweren Aufgabe, wenn solche Menschen sich hilfesuchend an ihn wenden. Er bedarf daher bei allen fachlichen Kenntnissen der Vollmacht von oben, um dem Gemütskranken in all seinen Anfechtungen wirk- sam beistehen zu können.

Ein Christ darf doch nicht schwermütig sein...!

„....in unserer Familie besteht eine Neigung zu Schwermut (bzw. Depressivität), wovon auch ich eine gehörige Dosis mitbekommen habe. Von jeher habe ich alles schwer genommen und wurde mit den Problemen des Lebens nicht fertig. Weil ich immer verschlossen war, hatte ich keine Freundinnen, sondern war lieber allein für mich. Und doch habe ich eigentlich ein großes Verlangen, mich auszusprechen. An Vergnügungen fand und finde ich keine Freude. Ich konnte Zeit meines Lebens nie so richtig froh werden, wie es andere sind. Mit wachsendem Neid sehe ich auf meine Mitmenschen, die sich ihres Lebens freuen können. Ich lebe seit langer Zeit nicht von Tag zu Tag, sondern von Nacht zu Nacht, weil der Schlaf mein einziger Trost ist obwohl ich dabei vielfach angsterfüllte Träume habe. Am Abend habe ich große Angst vor dem nächsten Tag, und am Morgen steht die ganze Not und all mein Versagen riesengroß vor mir. Manchmal kommen ganz dunkle Zeiten über mich, in denen ich am liebsten nicht mehr leben möchte. Solche Zeiten dauern gewöhnlich einige Wochen, oft auch nur Tage und Stunden, dann wird es wieder besser. Aber ganz froh werde ich nie. Auch wenn es mir verhältnismäßig gut geht, habe ich immer die geheime Angst: Wann kommt es wieder? Manchmal kommen solche Tage, wenn ich überarbeitet bin oder schlecht geschlafen habe, oder wenn ich Schweres erleben musste. Insbesondere kann ich meines Glaubens nicht recht froh werden. Ich nehme viel an christlichen Jugendveranstaltungen teil, aber die fröhliche Atmosphäre dort hat mich meist nur bedrückt. Ich konnte dies niemand sagen und suchte die Schuld bei mir. Beim Beten habe ich das Gefühl, dass meine Gebete gar nicht nach oben dringen und daher zwecklos sind. Beim Bibellesen tritt mir immer nur ein „Du musst“ und „Du sollst“ entgegen. Wenn ich Gerichtsworte in der Bibel lese, wird mir angst und bange. Gott ist für mich nur ein fordernder und richtender Gott. Die vielen Verheißungen der Bibel können mich nicht recht trösten, sondern machen mein Herz nur noch schwerer, weil ich sie nicht für mich nehmen kann. Ich darf doch den Opfertod Jesu mir nicht im Glauben aneignen, weil ich meine, dazu sei ich viel zu schlecht. Und wenn ich das doch einmal wage, habe ich die Befürchtung, mir dadurch einen zu leichten Weg zu verschaffen, weil ich mir dann gewissermaßen die „Rosinen aus dem Kuchen“ herausnehme und nicht das ganze Wort Gottes auf mich wirken lasse. So oft ich die Lebensbeschreibung eines Gottesmannes lese, merke ich, wie unecht mein eigenes Leben ist und wie weit ich noch von Gott entfernt bin. Es muss doch einen Weg geben, dass ich auch so wie diese Männer werden kann. Aber ich komme einfach nicht voran in meinem Glaubensleben – so sehr ich mich auch anstrenge. Gibt es etwas Schwereres als das Nicht-zu-Gott-kommen-können trotz heißesten Verlangens? Manchmal kommt es mir fraglich vor, ob ich überhaupt ein Kind Gottes bin. Liegt es nicht vielleicht daran, dass ich meinen Mitmenschen gegenüber so wenig von Gott und Jesus spreche? Ich glaube mein Seelenheil zu versäumen, wenn ich das nicht tue – und doch bringe ich es nicht fertig. So gehe ich nur mit Herzklopfen unter Menschen, denn dann muss ich doch meinen Glauben bekennen. Wenn ich katholisch wäre, würde ich ins Kloster gehen, um dieser ganzen Not auszuweichen. Muss ich mich nicht von allem, was nach ‚Welt’ aussieht, freimachen und mich in meiner Freizeit nur noch mit geistlichen Dingen beschäftigen? Muss ich nicht gerade das tun, was mir am Schwersten fällt? Immer habe ich Angst, ich könnte Gott ungehorsam sein – denn man soll doch sein eigenes Leben hassen. Wie gerne würde ich einmal harmlos fröhlich sein – etwa wie bei einer Schneeballschlacht oder beim Wandern oder Singen. Meine Angehörigen machen mir den Vorwurf, ich würde ganz unnötig grübeln und hätte dadurch meine Nerven kaputt gemacht. Sie meinen, wenn ich heiraten würde, so würde ich am ehesten meine trüben Gedanken verlieren. Aber eine Ehe ist für mich doch wohl ganz ausgeschlossen. Sollte man nicht denken, dass man von dieser Veranlagung frei wird, wenn man den ernsten Willen hat, Jesus nachzufolgen? Ein Christ darf doch nicht schwermütig sein. Jesus hat doch nicht nur unsere Sündenschuld getilgt, sondern uns doch auch vom alten Leben erlöst! Aber seitdem ich zum Glauben gekommen bin, sind die Grübeleien und Nöte nur noch schlimmer geworden. Ich stehe in der Jugendarbeit; aber ich fühle mich hierzu gar nicht fähig, weil ich nicht in die Tat umsetze, was ich anderen sage. Auch komme ich mir als Heuchler vor, wenn manche Menschen meine Fürbitte erwarten, zu der ich mich oft gar nicht aufschwingen kann. Ich möchte so gern ein glückliches und fröhliches Gotteskind sein, aber mein Leben kommt mir wie verpfuscht vor. Manchmal habe ich den Eindruck, gar nicht krank zu sein, und es würde alles gut, wenn ich innerlich zurecht käme. Bitte geben Sie mir einen klaren Bescheid, was Sie von meinem Zustand halten! Wenn ich Klarheit habe, kann ich auch Schweres tragen – nur die Unklarheit ertrage ich nicht ...“

Antwort von Dr. Lechler:

„Sie leiden an einer schwermütigen Veranlagung, die sich zeitweise zu Depressionen verdichtet. Sie nehmen das Leben von jeher zu schwer und machen sich selber Vorwürfe über allerlei Versagen und Schuld, obwohl solche Vorwürfe kaum oder gar nicht begründet sind. In den Schwermutszeiten können die Schuldgedanken Sie nahezu erdrücken. Bei Christen tritt die schwermütige Veranlagung in einer charakteristischen Prägung auf. Sie zeigt sich besonders in lebhaften Versündigungsgedanken, Furcht vor Gott, Mangel an innerem Frieden und Heilsgewissheit , in religiösen Grübeleien und Gewissensbedenken, einer völlig gesetzlichen Haltung und einem verkrampften Heiligungsstreben. Dass die krankhafte Anlage sich besonders
bemerkbar machte, als Sie zum Glauben kamen, ist durchaus verständlich. Denn durch die Beschäftigung mit religiösen Fragen werden Menschen wie Sie erst recht zum Grübeln und Selbstvorwürfen veranlasst. Die schwermütige Veranlagung ist häufig anzutreffen und kann zahlreiche Glieder einer Sippe, bzw. Familie befallen. Sie selbst haben diese Anlage von ihren Vätern geerbt. Deshalb fällt es ihnen auch so schwer, dagegen anzugehen. Es ist leider eine Erfahrungstatsache, dass in solchen Fällen eine völlige Befreiung kaum zu erwarten ist. Die Sehnsucht des schwermütig Veranlagten nach Gott wird, das muss ich Ihnen offen sagen, meist nie restlos gestillt. Ich verstehe es sehr gut, wenn die Tatsache, dass sie trotz allem Beten und Ringen von ihrem schwernehmenden und komplizierten Wesen nicht loskommen, Ihnen zur Anfechtung wird, und es ist nur zu begreiflich, dass Sie den Wunsch haben, ein fröhliches Gotteskind zu werden. Gewiss können Gläubige, die infolge eines melancholischen Temperamentes das Leben ernst nehmen und von einem dauernden Sorgengeist befallen sind, durch einen lebendigen Glauben frei werden. Aber wenn es sich, wie bei Ihnen, um eine ausgesprochen schwermütige, also krankhafte Anlage handelt, liegt die Sache anders. Auch hier könnte Gott zweifellos die Last wegnehmen; doch scheint es Sein heiliger Wille zu sein, solche Menschen trotz ihres Glaubens von ihrer Anlage nicht völlig zu befreien. Die Anlage bleibt bestehen – das ist ein göttliches Gesetz, das der Mensch von sich aus nicht ändern kann. Es wäre daher verkehrt, zu meinen, Sie müssten unter allen Umständen bestrebt sein, Ihre Veranlagung durch den Glauben zu überwinden. Durch ein solches eigenes, vergebliches Ringen würden Sie nur noch mehr in Selbstvorwürfe und Gemütsdruck geraten. Immerhin können Sie jedoch Auswirkungen seiner schwermütigen Veranlagung gelitten hatte: „Gott lässt es nie mehr ganz dunkel in meinem Leben werden.“ Es kann bei Ihnen eine deutliche Besserung eintreten, wenn Gott Ihnen Gnade erweist. Und doch könnte die Dunkelheit wohl kaum ganz von Ihnen weichen, weil eben die Veranlagung Ihrer Persönlichkeit bestehen bleibt. Deshalb sollten Sie Ihre schwermütige Veranlagung nicht als Schuld vor Gott und nicht als Strafe Gottes ansehen, sondern sollten Sie als Zulassung Gottes betrachten. ER weiß um das „Warum“. Verzagtheit, Verzweiflung, Murren gegen Gott oder Neid gegenüber ihre seelisch gesunden Mitmenschen ist daher nicht am Platze. Auch wenn Sie sich selbst anklagen, oder wenn andere Menschen, die Ihren Zustand nicht verstehen, Ihnen Vorwürfe machen sollten, so dürfen Sie doch wissen, dass Gott Sie versteht und liebt. Er will nicht der strenge Richter, sondern der liebende Vater sein, der nur Ihr Bestes im Auge hat und alle ihre Gebete hört. Er hat sicherlich eine besondere Absicht mit Ihnen, wenn ER solch Schweres in Ihrem Leben zulässt. Vielleicht will Er Sie durch diese Veranlagung vor Hochmut bewahren, in den Sie geraten könnten, wenn Sie seelisch gesund wären. Ist doch die Gefahr der Überheblichkeit fast bei jedem Menschen vorhanden. Das hat auch ein Paulus bei sich selbst festgestellt. Da gebraucht Gott die verschiedensten Mittel, um das stolze Herz zu zügeln. Oder es könnte sein, dass die vielen traurigen Gedanken und das häufige Alleinsein Sie vor so manchem unnützen und ungöttlichen Reden, wie auch vor der Befriedigung von Neugier u. a. m. bewahren. Das hat mir eine schwermütige Patientin von sich berichtet. Ein weiterer Trost mag es für Sie sein, dass die schwermütige Veranlagung in besonderer Weise dazu befähigt, sich in die Lage derer, die Ähnliches zu erleiden haben, hineinzuversetzen und das rechte Wort zu finden, um solchen Menschen zu helfen. Wenn Sie Ihren gemütskranken Mitmenschen diesen so überaus wichtigen Dienst tun dürfen, dann wären die vielen dunklen Stunden ihres Lebens nicht vergeblich gewesen. Mancher schwermütig Veranlagte hat mir auch Gestanden, dass er, wenn er nicht unter seelischem Druck stehe, oberflächlich werde und sich von Gott entferne. Deshalb suchen Sie sich darüber klar zu werden, was Gott Ihnen mit diesem für Sie nicht leichten Weg zu sagen hat! Auch dürfen Sie eins wissen = Gott kennt Sie ganz genau, Er weiß, wie schwer es Ihnen fällt, zu einem kindlich-fröhlichen Glauben durchzudringen und ein frohes Zeugnis für Ihn abzulegen. Er wird von Ihnen nur so viel erwarten, als sie tun können. Reden Sie daher nur dann von Jesus, wenn Sie einen klaren Auftrag dazu innerlich erkennen. Gott will auch nicht, dass Sie das Jüngste Gericht befürchten, denn Sie sind trotz all Ihrer Nöte und Konflikte ein Gotteskind, weil Sie an Jesus, Ihren Erlöser glauben. Statt der Gerichtsworte der Bibel dürfen Sie ohne Bedenken die kostbaren Verheißungen für sich in Anspruch nehmen. Und statt auf Ihre Schuld zu sehen, sehen Sie vielmehr auf das am Kreuz vollbrachte Sühnopfer, das auch für all Ihre Sünden erfolgt ist! Wenn Ihre Angehörigen Ihnen den Rat geben, eine Ehe einzugehen, so brauchen Sie nicht zu denken, eine Heirat käme für Sie grundsätzlich nicht in Betracht. Vielmehr wäre eine Ehe möglich, wenn Sie einen fröhlichen Christen fänden, der bereit wäre, Ihre schwernehmende Art, die sich auch in der Ehe mehr oder weniger bemerkbar machen würde, zu verstehen und in Liebe und Geduld zu tragen. Auch müssten Sie beide das Wagnis einer eventuell nicht ganz gesunden Nachkommenschaft auf sich zu nehmen gewillt sein. Sie dürfen auch mit gutem Gewissen harmlos-fröhlich sein und sich an der Natur, schöner Musik und edler Kunst von Herzen freuen. Wenn Sie meinen, Sie dürften nur das tun, was Ihnen am schwersten fällt, geraten Sie nur in eine ungesunde Selbstquälerei und Verkrampfung, die Gott nicht haben will. Sie stehen in der Gefahr eines Heiligungsstrebens aus eigener Kraft, wenn Sie glauben, die Heiligung nur dadurch erreichen zu können, dass Sie sich eine Reihe von Geboten und Verboten auferlegen. Aber Sie dürfen wissen: Ihre Heiligung wirkt Jesus in Ihnen, indem Er Sie vom Gesetz erlöst und zu einem Gotteskind gemacht hat. Deshalb geben Sie Ihr eigenes Ringen auf und überlassen Sie Ihre Heiligung dem Herrn! Wenn Sie in dieser Weise unter Ihrer Veranlagung stillhalten und ausreifen, werden Sie sie aus der Hand Gottes nehmen und mehr und mehr ein „Ja, Vater“ sprechen Können. Es gibt ja nicht nur in körperlicher, sondern auch in seelischer Hinsicht so manche Zulassung Gottes. Gerade den Menschen, in dessen Leben Gott (warum auch immer) manches zulässt, gilt die Verheißung: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Zu den Schwachen gehören auch Sie mit Ihrer schwermütigen Veranlagung. Auch wenn Gott Ihre Bitte um Befreiung nicht in vollem Umfang erhört, wird ER Ihnen doch von Tag zu Tag Seine Kraft schenken, damit Sie auch die Dunkelheit Ihrer Seele getrost und standhaft ertragen können. Dadurch aber werden Sie erfahren, dass Ihre Veranlagung sich in Segen verwandeln kann und Ihrem Leben einen tiefen Sinn gibt.“

Ich habe keinen Frieden!

„Wie kommt es nur, dass ich, solange ich nur denken kann, nicht den Frieden Gottes verspüre, den doch andere Christen empfinden? Obwohl ich Gott immer wieder darum gebeten habe – es war vergeblich. Sooft ich mir einer Schuld bewusst werde, gehe ich zum Seelsorger und bekenne ihm diese, um Vergebung und Frieden für meine Seele zu erlangen. Aber ich habe keinen Frieden. Auch wenn ich meine Bibel lese, bleibt doch die dauernde Unruhe in mir bestehen. Man sagte mir, ich dürfe doch die Vergebung einfach annehmen. Aber kann ich diese denn ohne mein eigenes Zutun bekommen? Theoretisch kann ich mir das wohl vorstellen, wie schön es ist, wenn man die Sündenlast sofort los ist; aber praktisch kann ich das nicht fassen. Ich kann die Vergebung einfach nicht im Glauben annehmen und festhalten, weil ich mir so sündig vorkomme. Manchmal beneide ich die Katholiken, die der Vergebung ihrer Schuld gewiss sind, wenn sie ihre Sünde vor dem Priester bekannt und Absolution erhalten haben. Mein Beten erscheint mir ganz sinnlos, weil ich ja gar nicht weiß, ob es bis zum Thron Gottes gelangt. Denn ich kann ja gar nicht im wirklichen Glauben beten. Während ich bete, bleibt mein Herz kalt und tot; Hoffnung, Trost, Mut oder etwas Freude bekomme ich beim Beten nie. Wie kann ich anderen Menschen zum Frieden Verhelfen, wenn ich ihn selbst nicht habe, obwohl ich weiß, das es ihn gibt? So bin ich immer unglücklich und mein Glaube befriedigt mich nicht. Ich kann auch sonst im Leben nie richtig froh werden, weil ich mir über so vieles Gedanken und Gewissensbisse mache. Es ist mir nicht klar, weshalb ich keinen Frieden in mir verspüre, obwohl ich mir keines Ungehorsams gegen Gott bewusst bin und an Jesus meinen Erlöser glaube.

Antwort von Dr. Lechler:

Das Ausbleiben des inneren Friedens nach dem Sündenbekenntnis kann zunächst daher kommen, dass die Buße nicht echt ist, indem die wahre Reue oder der ernste Wille zur Umkehr fehlt. Oder es besteht noch ein Stück Kleinglaube, indem man die Sündenvergebung, die der Seelsorger dem Bekennenden vermittelt hat, nicht als eine vollgültige Gabe Gottes ansehen und für sich nehmen kann. Es kann aber auch noch ein weiterer Grund vorliegen, wenn der Friede trotz wahrer Buße und wirklichem Glauben ausbleibt. Es gibt nämlich Menschen mit einem krankhaft zarten Gewissen. Zu diesen gehören offenbar auch Sie, wie aus ihren Zeilen zu ersehen ist. Solche Menschen nehmen von Natur her alles schwer und können daher auch die Absolution des Seelsorgers nicht kindlich-gläubig annehmen, weil sie meinen, sie müssten sich erst in besonderer Weise anstrengen, um sich der Vergebung durch Gott würdig zu erweisen. Sie verzehren sich daher in eigenem Ringen, um die Vergebung und den Frieden zu erlangen. Dadurch aber werden Sie von einer dauernden, inneren Unruhe umgetrieben. Sie laufen von einem Seelsorger zum anderen, im immer neue Sünden zu bekennen, die ihnen aus der Vergangenheit aufsteigen. Aber auch dies verschafft ihnen keinen Frieden. So können sie ihres Glaubens nie richtig froh werden und kommen von der Angst nicht los, die Gnadenzeit versäumt zu haben. Erkennen Sie daher, dass das Ausbleiben des inneren Friedens bei Ihnen als krankhaft anzusehen ist und Ihnen von Gott nicht als Schuld angerechnet wird! Wenn Sie das festhalten, werden Sie von Ihrem Grübeln über immer neue Verfehlungen und von dem Zwang, sie vor einem Seelsorger zu bekennen, loskommen. Wenn Sie mit einem Seelsorger sprechen, der Ihnen aufgrund Ihrer Reue und Ihres Glaubens an das Sühnopfer Jesu Vergebung Ihrer Sünden zuspricht, dürfen Sie der Vergebung ebenso gewiss sein, wie der katholische Christ, dem der Priester die Absolution erteilt hat. Sie brauchen keinesfalls noch etwas dazuzutun, weil Jesus durch Seine Tat am Kreuz alles für ihre Rechtfertigung vor Gott vollbracht hat. Was aber einmal vergeben ist, ist für immer vergeben. Gott zieht Seine Vergebung niemals zurück, auch erwartet ER nicht, dass wir immer wieder für die gleiche Sünde um Vergebung bitten, auch wenn wir hinterher an der Tatsache der Vergebung zweifeln sollten. Gott hat verheißen, dass ER der Sünde nicht mehr gedenken will (Jer. 31:34b). Aber wichtig ist, dass Sie sofort nach jeder begangenen Schuld bußfertig zu Gott kommen und um Vergebung bitten. Dann steht nichts mehr zwischen Gott und Ihnen. Sie sind durch Ihren Glauben an Jesu Sühnopfer gerechtfertigt und haben dadurch nach Römer 5:1 auch tatsächlich Frieden, selbst wenn Sie zunächst noch gar nichts von ihm fühlen sollten. Deshalb bitten Sie nicht immer nur um Frieden, sondern glauben Sie gleichzeitig, dass Sie Frieden haben, weil Ihre Schuld getilgt ist. Sie dürfen wissen, dass Sie ein Gotteskind sind, auch wenn Sie dies manchmal nicht fassen können. Gott aber hört Seine Kinder, die zu Ihm rufen. Er ist ja gerade denen, die zerbrochenen Herzens sind, ganz nahe (Psalm 34:19). Stellen Sie sich beim Gebet doch einfach vor, dass Er neben Ihnen ist; dann kommen Sie von dem Gedanken los, Er höre Ihre Gebete nicht, weil ER in unerreichbarer Ferne wohne. Ferner hören Sie möglichst viel das Wort Gottes in Predigt und Bibellehre – da der Glaube ja durch das Wort Gottes kommt (Röm. 10:17). Auf diese Weisen kann und wird der Friede in Gott mehr und mehr Ihre Seele erfüllen. Auch wenn infolge Ihrer Veranlagung die Freude in Gott ggf. ausbleiben sollte, dürfen Sie sich an Seinem Frieden genügen lassen.

Warum fehlt mir die Heilsgewissheit?

Wenn andere von der Gewissheit ihres Heils sprechen, so muss ich mir immer wieder sagen: Ich bin noch nicht so weit, dass auch ich mich einer solchen Gewissheit erfreuen könnte. Warum fehlt mir die Heilsgewissheit, obwohl ich doch an Jesus, meinen Heiland glaube und in Gemeinschaft mit Ihm zu leben suche. Wie oft habe ich schon zu Gott gebetet, Er möge mir ganz klar machen, dass ich Sein Kind und Erbe sein darf! Aber vergeblich. Ist das der Satan, der mir die Heilsgewissheit rauben will? Ist denn die Heilsgewissheit ein Vorrecht, das nur wenigen Gläubigen zuteil wird? Ich warte und warte auf dieses herrliche Gefühl, von dem die anderen reden. Aber mein Gefühlsleben ist so leer und kalt, dass ich oft ganz verzagt bin. Schon in der Jugend habe ich alles schwer genommen und viel geweint; ich lasse mich so leicht durch jede Kleinigkeit bedrücken. Das habe ich offenbar von meinem Vater geerbt, der in seiner Schwermut einmal den Versuch machte, aus dem Leben zu gehen. Manchmal geht es mir für einige Zeit besser; aber dann redet mir der Satan ein, ich sei verloren. Es ist so trostlos, dass ich niemals zu einer Überwinderin werden kann, die sich auf das Kommen Jesu freuen darf.

Antwort von Dr. Lechler:

Bei fehlender Heilsgewissheit gilt es zunächst sich ernstlich zu prüfen, ob nicht irgend -eine Schuld vorliegt, die man noch nicht bekannt hat, oder ob nicht noch eine Bindung vorhanden ist, die die restlose Übergabe an Gott verhindert. Dies scheint jedoch bei Ihnen nicht der Fall zu sein. Sie glauben an Jesus, Ihren Erlöser, und stehen in Gemeinschaft mit Ihm. Deshalb dürfen Sie sich fest auf das Wort Gottes in Galater 3:26 stützen. Auch bezeugt Ihnen der Geist Gottes, dass Sie Sein Kind sind. Wenn Sie als solches der Vergebung Ihrer Schuld täglich gewiss sind und die Gebote Gottes halten, so sind Sie auch ein Erbe der künftigen Herrlichkeit und dürfen sich der Heilsgewissheit erfreuen (Röm.8:16,17a; Gal.4:7). Warum Sie noch nicht zu diesem Standpunkt durchdringen konnten, rührt daher, dass Sie an einer schwermütigen Veranlagung leiden. Diese geht stets mit einer Gefühlsarmut einher, die sich dann auch in Ihrem Glaubensleben bemerkbar macht. Sie meinen, Ihr Gefühlsmangel sei die Ursache des Fehlens der Heilsgewissheit. Aber dies ist eine verkehrte Auffassung. Sie müssen von der Meinung loskommen, die Heilsgewissheit sei immer mit einem beglückenden Gefühl verbunden. Gerade Menschen mit schwermütiger Veranlagung – und diese sind viel häufiger anzutreffen, als man gewöhnlich denkt – sind nicht fähig, sich in derselben Weise ihres Glaubens und ihrer Heilsgewissheit zu erfreuen, wie dies seelisch gesunden Christen möglich ist. Und dennoch ist die Erlangung der Heilsgewissheit auch Ihnen möglich, weil diese nicht der Intensität eines Gefühls, sondern vom Glauben abhängt. Sie brauchen daher nicht beständig auf eine überströmende Freude zu warten, durch die Sie Ihres Heils gewiss werden, sondern dürfen unter Berufung auf die obige Schriftstelle diese Gewissheit im Glauben für sich nehmen. Solches Wissen auf Grund des Wortes Gottes ist viel entscheidender als das Wissen aufgrund eines beseligenden Gefühls. Die Heilsgewissheit braucht daher keineswegs in einer freudigen Zuversicht zu bestehen; sie ist vielmehr bei allen melancholisch veranlagten Christen eine Gewissheit, die sie in aller Nüchternheit, aber in tiefer Dankbarkeit aus der Hand ihres Herrn nehmen. So sind auch Sie auf den nackten Glauben angewiesen, wenn Sie Heilsgewissheit erlangen wollen. Sie dürfen dieser kostbaren Gabe auch im Dunkel der Anfechtung teilhaftig werden. Welch ein Trost für Sie! Gott hat dies Dunkel zugelassen, damit Sie sich allein auf Sein Trost stützen lernen. In Ihrem Fall ist es nicht so sehr Satan, der Ihnen die Heilsgewissheit zu rauben sucht, als ihre schwermütige Veranlagung, die erblich bedingt ein Anteil Ihrer Persönlichkeit ist. Er schenke Ihnen als Frucht des Glaubens bald die ersehnte Gewissheit Ihres Heils und durch sie eine tiefe Geborgenheit in der Gemeinschaft mit Jesus!

Ich traue mir so gar nichts zu ...

.....Ich traue mir so gar nichts zu ... Ich bin überzeugt, dass ich viel weniger bin und kann als meine Mitmenschen. Selbst wenn ich einmal etwas erreicht habe in meinem Leben, wird mein Selbstvertrauen nicht größer. Wenn ich aber etwas falsch gemacht habe, bekommen meine Minderwertigkeitsgefühle neue Nahrung. Ich komme nicht los von dem Blick auf meine Schwächen und meine Unzulänglichkeit. Eine eigene Meinung habe ich nur selten – ich lasse mich vielmehr von der Meinung anderer völlig bestimmen. Immer frage ich mich, was wohl die anderen über mich denken. Auch habe ich den Eindruck, wenn ich mit Menschen zusammen bin, irgendwie aufzufallen und von ihnen belächelt zu werden. Schon wenn mein Vorgesetzter mit der
Stirn runzelt, glaube ich, dass er etwas an mir auszusetzen hat. Dann würde ich mich am Liebsten in eine Ecke verkriechen. Ich möchte möglichst wenig mit meinen Bekannten zusammen sein, weil ich ihnen ja doch nur lästig sind. Aber wenn ich mich von ihnen zurückziehe, werde ich für unnahbar und hochmütig gehalten. So werde ich immer unsicherer und weiß nicht, wie ich mich eigentlich verhalten soll. Auch in meinem Glaubensleben beeinträchtigen mich die Minderwertigkeitsgefühle stark. So ist es mir unmöglich, mit anderen zu beten. Wenn ich mit Beten anfangen will, klopft mir das Herz so stark, dass ich kein Wort herausbringe. In der Gemeinde kann ich mich nur in die hinterste Bankreihe setzen, weil ich mich sonst beobachtet fühle. Ich möchte gern etwas gelten, dann würde ich meine Unsicherheit bestimmt rasch loswerden. Aber wenn ich so etwas denke, komme ich mir ganz schlecht vor. Ist es richtig, was unser Pfarrer in der Bibelstunde sagte, dass MinderwertigkeitsGefühle Sünde seien? Ich leide sehr unter meinem Zustand, obwohl ich weiß, dass meine Minderwertigkeitsgefühle auf einer Erbanlage beruhen. Schon als kleines Kind war ich menschenscheu und schüchtern. Warum hat mich Gott wohl so geschaffen, dass ich mich zu nichts tauglich fühle? Ich würde doch so gerne etwas für Ihn tun. Manchmal allerdings bin ich schon recht dankbar für meine Unzulänglichkeit, weil ich sie als Bewahrung empfinde vor dem Hochmut in mancherlei Gestalt. Ich werde mir dann meiner Grenzen bewusst und bilde mir nichts ein.

Antwort von Dr. Lechler

Ihr Mangel an Selbstvertrauen beruht offenbar weniger auf einer fehlerhaften Erziehung seitens Ihrer Eltern und Lehrer als auf einer krankhaften Anlage. Die letztere findet sich fast häufiger als das Erstere. Aber auch wenn die Minderwertigkeitsgefühle ererbt sind, können doch psychologische Gründe dabei mitwirken. So fühlen sich viele Menschen unsicher, weil sie andere, die ihrer Meinung nach ihnen überlegen sind, beneiden. Diese Neigung, sich mit anderen zu vergleichen, entspringt im Grunde einem unbefriedigten Geltungsbedürfnis. Die Folge dieser Einstellung ist, dass man mit den Mitmenschen hadert, weil sie einen nicht richtig einschätzen, und mit Gott hadert, der einem so manche Gabe vorenthalten hat und von dem man sich in seinem versteckten Hochmut nicht demütigen lassen will. Prüfen Sie sich einmal, ob so etwas nicht auch bei Ihnen vorliegen könnte. Wenn Sie glauben, in keiner Hinsicht etwas wert zu sein, so möchte ich Sie fragen: Haben Sie nicht doch von Gott eine Gabe bekommen, auch wenn diese nicht weiter in die Augen fällt? Gott schenkt sicherlich jedem Menschen eine Gabe; darauf deutet
schon das Wort des Petrus hin, dass jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, dem anderen dienen soll (1.Petrus 4:10). Überlegen Sie doch, auf welchem Gebiet Ihre Gabe liegt, und dann suchen Sie mit ihr zu wuchern und sie zu vermehren, um ihren Mitmenschen zu dienen! Solange Sie meinen, Sie hätten den anderen nichts zu geben, muss die ungenützte Gabe verkümmern, und Sie gleichen dem Manne, der das empfangene Talent in die Erde vergrub, ohne mit ihm zu arbeiten, und würden von Gott der Untreue bezichtigt werden (Matth. 25:18-26). Wenn Gott Ihnen nur wenig gegeben hat, erwartet Er von Ihnen auch nicht so viel wie von dem, dem ER viel gegeben hat (in Abwandlung von Lukas 12:48). Aber, ER wartet auf Ihren Dienst. Er will, dass Sie Ihre Gabe entwickeln, so wie Timotheus Seine Gabe erwecken sollte (2.Tim.1:6). Vielleicht wenden Sie ein, es bedeute doch so wenig, wenn Sie Ihre geringe Gabe verwenden würden. Aber Ihre kleine Gabe ist ebenso wichtig, wie die größere Gabe der anderen. Es kommt nicht darauf an, wie viel uns anvertraut ist, sondern darauf, dass wir das uns anvertraute Gut treu verwalten und mit ihm wuchern, so gut wir es vermögen. Auch eine kleine Gabe, die Gott uns gegeben hat, kann sich mehren zum Segen anderer, so wie der Mann, der nur zwei Talente bekommen hatte, zwei andere dazu gewann. Vielleicht besteht Ihre Gabe und Ihre Aufgabe darin, dass Sie etwas von Ihrem Besitz dem Herrn zur Verfügung stellen, oder dass Sie Ihren Mitmenschen kleine Liebesdienste erweisen, eine vielleicht ganz äußerliche, aber doch wichtige Handreichung tun, oder dass sie das Amt der Fürbitte ausüben. Wenn Sie den Menschen gar nichts tun können, können Sie wenigstens im Kämmerlein den so nötigen Gebetsdienst verrichten. Auf diese Weise dürfen Sie trotz Ihrer Minderwertigkeitsgefühle ein wichtiger Stein im Tempel Gottes sein, wenn auch an einer ganz unscheinbaren, bzw. unsichtbaren Stelle, und dürfen, wenn auch ganz unerkannt und verborgen, am Bau Seines Reiches mitwirken. Gott will Sie gebrauchen, so wie Sie sind. Es ist viel wichtiger, was Gott von Ihnen hält, als was Sie von sich oder was die anderen von Ihnen denken. Auch den selbstunsicheren Menschen gilt das Wort: „Weil du so wert vor meinen Augen geachtet bist, musst du auch herrlich sein, und ich habe dich lieb.“ (Jesaja 43:4). Ja, wenn Sie Sein Kind sind, sind Sie IHM teuer und wert, auch wenn Sie sich mit noch so vielen Schwächen und Problemen herumschleppen. Und denken Sie nicht nur an die Nachteile, die Ihnen Ihre Minderwertigkeitsgefühle einbringen, sondern suchen Sie auch das Gute darin zu entdecken! Sind Sie infolge Ihres mangelnden Selbstvertrauens nicht völlig auf die Verheißungen und die Hilfe Gottes angewiesen? Das Wort von der „kleinen Kraft“ (Offb.3:8) will ja sagen: „Weil
du nur eine kleine Kraft hast, habe ich vor dir eine Tür aufgetan.“ Wer sich ganz ohnmächtig und untüchtig fühlt, der darf sich viel mehr als der Starke und Selbstsichere auf die Zusagen Seines Gottes verlassen. Ferner erkennen Sie selbst, dass Sie der Gefahr des Hochmuts viel weniger erliegen als andere Menschen, die sich ihres Wertes bewusst sind. Allerdings müssen Sie sich hüten, sich für besonders demütig zu halten. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Minderwertigkeitsgefühlen und Demut. Demut kommt von Gott, macht die Seele still und getrost und ist mit Seiner Führung einverstanden. Minderwertigkeitsgefühle dagegen sind meist ein Zeichen von Ichhaftigkeit, machen unglücklich und unzufrieden mit Gottes Wegen. Wenn Sie all das bedenken, hoffe ich, dass Sie von sich dem Blick auf Ihr eigenes Ich lösen können und Ihrem Nächsten auch mit Ihrem kleinen Talent zu dienen suchen. Dadurch werden Sie Ihre Minderwertigkeitsgefühle mehr und mehr überwinden. Sollten diese Ihnen jedoch auch weiterhin zu schaffen machen, weil sie in der krankhaften Anlage zu stark verankert sind, so werden Sie Ihre Selbstunsicherheit wenigstens aus Gottes Hand nehmen können, sodass diese Ihnen zum inneren Gewinn werden kann.

Warum nimmt Gott mir die Angst nicht weg?

.....schon als Kind hatte ich viel Angst, auch bei geringen Anlässen. Kaum konnte ich in unseren Keller gehen, weil ich befürchtete, eine Maus liefe mir über die Füße. Vor Spinnen fürchte ich mich noch heute. Ebenso habe ich vor ‚Geistern’ große Angst. Die ‚Geisterfurcht’ hat meine Schwester übrigens in derselben Weise. Ständig lebe ich in der Erwartung vor etwas Unheimlichem, vor entsetzlichen Dingen, die über mich hereinbrechen könnten. Wenn meine alte Mutter von ihren Besorgungen nicht rechtzeitig aus der Stadt zurückkehrt, ängstige ich mich halbtot. Ich muss immer daran denken, es könnte ihr etwas zustoßen. So sorge ich mich bei jeder Kleinigkeit, sodass ich deshalb meines Lebens nicht froh werden kann. Meine Ängste steigern sich insbesondere, wenn ich körperlich erschöpft bin. Vor Gott fürchte ich so sehr, dass ich Ihn deshalb nicht als meinen himmlischen Vater ansehen kann – obwohl es doch gegenteilig sein sollte. Wenn ich etwas verkehrt gemacht habe, so glaube ich, dass Gott mich wegen meiner Schuld straft. Auch vor dem Leben habe ich Angst, weil ich mich meinen Aufgaben nicht gewachsen fühle. Vor dem Sterben habe ich besonders Furcht, seitdem ich den schweren Tod meines Vater miterlebt habe. Oft träume ich vom eigenen Sterben. Schon lange bete ich darum, dass Jesus in mir lebendig werden möge, damit ich die Angst überwinden kann. Aber wenn die Angst über mich kommt, kann ich an nichts anderes mehr denken und habe den Glaubensblick völlig verloren. Warum nimmt Gott mir die Angst nicht weg? Er könnte es doch tun ...

Antwort:

Zunächst muss die Ursache Ihrer verschiedenen Ängste aufgedeckt werden. Die Angst vor Tieren und ‚Geistern’ ist oftmals die Folge einer verkehrten Erziehung. Möglicherweise haben Ihnen manche Menschen allerhand Geschichten von bösen Tieren oder Geistern erzählt. Ihre Furcht vor Gott ist eventuell auf eine Ihnen unbewusste und vor Gott nicht bekannte Schuld zurückzuführen. Auch kann dieser auch Ängste vor Ihrem Vater zugrunde liegen, die Sie dann auf Gott übertragen haben. Ihre Furcht vor dem Sterben hängt offenbar mit dem Tod Ihres Vaters zusammen, durch den Sie stark beeindruckt wurden. Wahrscheinlich sind alle ihre Ängste letztlich eine Furcht vor dem Tod infolge der Ungewissheit , was danach kommen könnte. Es wäre anzuraten, dass Sie sich zur Klärung dieser Fragen an einen bibelorientierten, charismatischen Seelsorger wenden würden. Dann aber sollte Ihr Verhältnis zu Gott bereinigt werden. Suchen Sie doch ganz kindlich mit Ihm zu reden, wie einem Menschen, der es gut mit Ihnen meint. Bitten Sie Ihn immer wieder um die nötige Selbsterkenntnis und widerstehen Sie der Angst (ggf. dem Geist der Furcht/dem Teufel) im Namen JESUS (Jak.4:7) und sie wird weichen! Wenn Sie sich wirklich als ein Kind Gottes wissen und mit JESUS, dem Todesüberwinder, rechnen, der den Seinen verheißen hat „Ich lebe, und ihr sollt auch leben,“ dann wird die Furcht vor dem Tode schwinden.

Frei von Angst

Dr. med. A. Lechler

I. Angst – die Krankheit unserer Zeit

Nichts ist so allgemein wie die Angst. Man kann sie geradezu als die häufigste Krankheit ansehen. Sie ist so alt wie die Menschheit. Sie befiel schon Adam und Eva im Paradies und begleitet seitdem die Menschen durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch bis auf den heutigen Tag. Der Mensch der Gegenwart ist nicht weniger von Angst erfüllt, als der Mensch früherer Zeiten, ja die Angst ist heutzutage noch weiter verbreitet als damals, sie ist beim Hochzivilisierten ebenso anzutreffen wie beim Primitiven, beim Erwachsenen ebenso wie beim Kinde. Auch wenn der Mensch es sich nicht eingestehen mag, auch wenn er sich seiner Umgebung gegen über Gelassenheit und Ruhe auferlegt, packt ihn doch immer wieder die Angst. Selbst der wirklich Mutige muss bekennen, dass aller Mut letzten Endes überwundene Angst ist. – Aber nicht nur allgemein verbreitet ist die Angst, sondern sie ergreift auch den ganzen Menschen. Das ganze Seelenleben kann von ihr bis auf den Grund aufgewühlt werden. Aufgeregtheit und Gereiztheit, Gedrücktheit und Unsicherheit, Entschluss- und Konzentrations-Unfähigkeit, Menschenfurcht, Verzweiflung und Lebensüberdruss können die Begleiter der Angst sein. Selbst bis in seine Träume hinein verfolgt den Menschen die Angst, so dass häufige Schlafstörungen die Folge sind. Auch die Tätigkeit der inneren Organe, vor allem des Herzens, des Magens und Darmes, kann durch Angst erheblich gestört werden. Besonders die heute außerordentlich verbreiteten Herz- und Kreislaufbeschwerden sind größtenteils Folgeerscheinungen der Angst. Aber auch das ganze Nervensystem samt den inneren Drüsen mit ihren wichtigen Aufgaben im Körperhaushalt wird vielfach durch die Angst ungünstig beeinflusst. So können Blässe, Schweißausbrüche, Schwindelgefühl, Zittern, Stottern und andere körperliche Beschwerden auftreten, die den Menschen in seinem Wohlbefinden auf das Schwerste beeinträchtigen und schädigen. In der Tat – Angst ist schlimmer als jedes körperliche Leiden. So kann die ganze Lebensgestaltung des Menschen in entscheidender Weise von der Angst bestimmt werden. Wir sehen dies z.B. an einem Mann wie Saul, dem ersten König des Volkes Israel. In seiner Jugend war es die Angst vor der Wahl zum König, dann die eifersüchtige Furcht vor seinem Nebenbuhler David, dann die Furcht vor seinen Volksgenossen, vor den Philistern, vor dem Bescheid der Wahrsagerin, zuletzt die Angst, in die Hände der Feinde zu fallen. Sein Selbstmord war das folgerichtige Ende seines von Angst erfüllten Lebens. Und wie anschaulich schildert Sirach die Beherrschtheit des Menschen durch die Angst von der Geburt bis zu seinem Tode (Kap.40:1ff.)! Vielfach ist die Angst dem Menschen gar nicht bewusst. Aber seine Gedrücktheit, seine Unruhe und Hast, seine nervösen Beschwerden, seine Träume und allerhand
ungewöhnliche Zeichen sind oft nichts anderes als der Ausdruck seiner unbewussten Angst. Und doch – trotz dieser großen Bedeutung der Angst in seinem Leben scheut der Mensch sich, seine Angstgefühle anderen zu offenbaren, um nur ja nicht als Schwächling zu gelten. Wir setzen vor den anderen eine Maske auf und wagen nicht, uns auszusprechen, selbst Eheleute verbergen oft ihre Angst voreinander. So schleppen unendlich viele Menschen diese Last mit sich herum, ohne mit ihr fertig zu werden. Sehen wir uns die Angst in ihren verschiedenen Formen an, so können wir 4 Gruppen unterscheiden: Die Lebensangst, die schuldbedingte Angst, die ichhafte Angst und die krankhafte Angst. Eine solche Einteilung scheint mir zweckmäßig zu sein, um eine klarere Übersicht über das Wesen der Angst zu erhalten und die jeweils nötigen Schritte zu ihrer Überwindung zu unternehmen.


II. Die Lebensangst

Unter Lebensangst verstehen wir die Angst vor allem, was das Leben bedroht. Sie ist die häufigste Form der menschlichen Angst, denn sie ist der Ausdruck des jedem Menschen innewohnendem Selbsterhaltungstriebs. Wir alle sind in gleicher Weise dieser Angst ausgeliefert; denn wer könnte von sich behaupten, dass sein Leben nicht bedroht sei? Die Fortschritte der Wissenschaft und der Technik haben die Lebensangst des Menschen nicht etwa vermindert, sondern vielmehr gesteigert. Wohl in keiner Periode der Menschheitsgeschichte war unser Dasein so sehr gefährdet, wie dies heutzutage der Fall ist.

Der Inhalt der Lebensangst

Was ist nun eigentlich der Inhalt der Lebensangst? Sie umfasst die Angst vor den Schwierigkeiten und Leiden der Welt (aus diesem Grund wird die Lebensangst auch als Weltangst bezeichnet), die Angst vor den Anforderungen des Berufes, des Familien- und Ehelebens, denen man sich nicht gewachsen fühlt, vor Unglücksfällen und schweren Schicksalsschlägen, vor Naturgewalten, vor Gewittern und Erdbeben. Dazu kommt in manchen Ländern die Angst vor Verhaftung, vor Flugzeugentführungen, vor dem Verschleppt werden. Wie viele Menschen befinden sich heute auf der Flucht vor Gewalten, die ihnen nicht einmal das nackte Leben gönnen! Man empfindet ein Grauen vor den Verbrechen und Morden, die an der Tagesordnung sind. Oder es ist die Furcht vor einer langwierigen und unheilbaren Krankheit, besonders vor Krebserkrankung, die den Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt; man glaubt, ein solches Leiden nicht ertragen zu können. Auch die Furcht vor bösen Nachbarn, vor schwierigen Vorgesetzten, die Angst vor dem Alleinsein, vor dem Dunklen und vor völliger Hilflosigkeit kann viele Menschen quälen. Die Unsicherheit der Zukunft, der wir entgegengehen macht dem heutigen Menschen in besonderer Weise zu schaffen. Er fürchtet, irgendeine Katastrophe, der man unentrinnbar ausgeliefert ist, könnte im Hintergrund lauern. Selbst wenn man sich in gesicherter Lage zu befinden scheint, kommt vielfach das entsetzliche Bangen hoch,
man könnte eines Tages alles, was man mühsam erworben hat, verlieren. Nicht nur der Mensch selbst, sondern auch seine Familie, seine Verwandtschaft, sein Volk werde einmal vergehen und „der Untergang des Abendlandes“ sei nicht mehr aufzualten. Diese Angst ist geradezu bezeichnend für unsere heutige Generation. Daher ist es nur zu natürlich, dass der Gedanke an einen dritten Weltkrieg, in dem die ferngesteuerten Raketen und Atombomben die Hauptrolle spielen, vielen Menschen keine Ruhe mehr lässt. Von Kennern der Weltlage wird ein solcher Krieg in absehbarer Zeit für durchaus möglich gehalten. Ebenso kann uns die Voraussage einer Bevölkerungsexplosion erschrecken: in 30 Jahren wird mit Bestimmtheit angenommen, wird die Weltbevölkerung nahezu das Doppelte der heutigen Zahl betragen; dadurch aber wird eine Hungersnot für unvermeidlich gehalten. Eine andere Gefahr, die die Menschen unserer Tage bedroht, ist die Luftverschmutzung. So haben Untersuchungen ergeben, dass in Großstädten, infolge der Luftverschmutzung durch bleihaltige Abgase, das Menschenleben um mehrere Jahre verkürzt wird. Einen breiten Raum nimmt besonders die Angst vor dem Sterben, vor einem schweren Todeskampf ein, der uns selbst oder unseren Angehörigen bevorstehen könnte. Daher haben wir unwillkürlich Hemmungen, einem Schwerkranken gegenüber vom Tod zu sprechen. Selbst der gottlose Mensch wird häufig das geheime Bangen nicht los, es könnte doch ein Leben nach dem Tode und einen Gott geben. Bei vielen Menschen spielt eine besondere Form der Lebensangst eine große Rolle: die Furcht vor geheimen Gewalten, die das menschliche Leben bedrohen. Sie fürchten dunkle Schicksalsmächte könnten ihnen Schaden zufügen, zumal wenn sie
von ihrem Wohlbefinden sprechen. Auf dieser Angst beruht das Tragen von Amuletten, das Beobachten von allerhand abergläubischen Gebräuchen, wie z.B. der Besuch bei Wahrsagerinnen, die Zuhilfenahme von Horoskopen, u.a.m. Der Mensch sucht hierdurch Aufschluss zu erhalten über sein Lebensschicksal, um seine Angst loszuwerden. Dass er dadurch vielfach erst recht in Angst gerät, wenn ihm eine ungünstige Auskunft gegeben wird, erkennt er zu spät. Bezeichnend ist die Tatsache, dass in jedem zivilisierten Land jährlich viele Millionen Geldeswert für Wahrsager und Kartenlegerinnen, für Sterndeuter und Hellseher ausgegeben werden. Besonders krasse Formen nimmt die Lebensangst in der Heidenwelt an. Da der sogenannte ‚Heide’ in seiner Furcht vor seinen Götzen lebt, wagt er sich bei Dunkelheit oft nicht aus seiner Wohnung heraus. Um seine Angst loszuwerden, sucht er durch allerhand Geschenke und Opfer die Gunst seiner Götter zu erlangen. So sehnt sich der Mensch nach einem Schlupfwinkel, in den er sich verkriechen kann, um nur nichts zu sehen und hören zu müssen von der rauhen Wirklichkeit, die ihre Fangarme nach ihm ausstreckt. Und weil alle diese Ängste so schwer auf ihm lasten und wie ein Gespenst vor ihm stehen, überkommt ihn oft genug die Angst vor der Angst. Kein Wunder, dass die Lebensangst sich zu schwerer Bedrängnis steigern kann. Wie sehr der Mensch unter diesen Qualen leidet, zeigt die erschreckend hohe Zahl von Selbstmorden, die in erster Linie auf der Lebensangst beruhen.

Die Heilige Schrift und die Lebensangst

Die Heilige Schrift bestätigt die Tatsache der allgemeinen Verbreitung der Lebensangst als solcher. Selbst die Gottesmänner der Bibel wurden oft genug von ihr heimgesucht. Welche Angst befiel z. B. den Propheten Elia, als er vor der Königin Isebel in die Wüste floh (1.Kön.19:3)! Und David klagt in den Psalmen immer wieder: „Der Hölle Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich; die Angst ist nahe, keine Hilfe zu sehen; die Angst meines Herzens ist groß; mein Herz ängstigt sich in meinem Leibe, des Todes Furcht ist auf mich gefallen; Furcht und Zittern ist über mich gekommen und Grauen hat mich befallen.“ (Psalm 18:6; 22:12;
25:17; 55:5-6). Dasselbe sehen wir bei den Männern des Neuen Testaments. So fürchteten sich die Jünger Jesu vor dem Leiden (Mark.10:32), beim Sturm auf dem Meer (Matth.8:26; 14:30), vor den Gegnern ihres Herrn (Matth.26:56). Oder denken wir an Paulus, der nicht nur vor seinen Gegnern des öfteren Furcht empfand (Apg.18:9; 23:11), sondern auch bei seinem öffentlichen Auftreten nicht wenig Ängste zu bestehen hatte (1.Kor.2:3; 2.Kor.7:5). Selbst Jesus wurde in Gethsemane von dem Grauen vor dem Leidenskelch überfallen (Mark.14:33-34; Hebr.5:7). Auch die Furcht vor dem Bösen, der seine feurigen Pfeile gegen die Menschen richtet
und ihn in seine Gewalt zu bekommen sucht, nimmt in der Heiligen Schrift einen großen Raum ein. So schreckt viele das Wort Jesu: „Satan hat euer begehrt, dass er euch sichten möchte wie den Weizen“ (Lk.22:31), oder das Wort des Petrus: „Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.“ (1.Pe.5:8). Ebenso versetzt der Gedanke an die Endzeit viele Christen in Angst, so, wenn Johannes von den Schrecken des Krieges, des Hungers, der Teuerung, des Massensterbens, der großen Trübsal, von Erdbeben und auffallenden Himmelserscheinungen weissagt (Offb.6), oder wenn Petrus auf den großen Tag hinweist, „da die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente vor Hitze schmelzen und die Erde und die Menschenwerke verbrennen werden.“ (2.Pe.3:10). Die weltweite Verwirrung und Kopflosigkeiten der Menschen wird von Jesus vorausgesagt in Luk.21:25-26.

Verkehrte Mittel zur Befreiung

Was tut der Mensch nicht alles, um von seiner Lebensangst frei zu werden! Die einen suchen sie zu betäuben, sei es durch Zerstreuungen aller Art – durch das Fernsehen, Filme, Parties oder durch übertriebene Arbeit. Aber durch solche Vogelstraußpolitik kann die Angst höchstens vorübergehend gebannt werden. Andere greifen zu Schlafmitteln oder Rauschgiften, trinken unmäßig viel Alkohol oder rauchen, was das Zeug hält, bis sie schließlich dadurch in die Sucht geraten, die sie dann in den Klauen hält, aus der sie sich aus eigener Kraft dann nicht mehr befreien können. Es kann leicht nachgewiesen werden, dass ein großer Teil der Süchte letzten Endes ihre Ursache in der Lebensangst hat. Wieder andere suchen sich zur Ruhe und Gelassenheit zu erziehen, um über ihre Angst Herr zu werden. Aber auch diese Haltung hat nur einen Scheinerfolg, denn sie ist eine Selbstsuggestion, die nur mit Mühe aufrecht erhalten werden kann und sie immer wieder im Stich lässt. Wir müssen daher mit der Tatsache rechnen, dass eine bleibende Verdrängung der Angst auf keinerlei menschliche Weise möglich ist.

Die wahre Hilfe

Wirkliche Hilfe gegen die Lebensangst bringt nur der Glaube an den lebendigen Gott. Schon das Alte Testament weist von aller Lebensangst weg auf den Herrn. So sprach Gott zu Abraham: „Fürchte dich nicht, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn“, und Isaak verhieß Er: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir und will dich segnen“ (1.Mo.15:1; 26:24). Beim Durchzug des Roten Meers sprach Mose zum Volk Israel: „Fürchtet euch nicht, stehet fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird...“ --- „Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet still sein“ (2.Mo.14:13-14). Auch die Psalmen und die prophetischen Bücher reden immer wieder davon, dass der einzige Ausweg aus der Lebensangst der allmächtige und allgegenwärtige Gott ist (z. B. Psalm 18:7; 23:4; 27:1; 46:2-3; 56:4,12; 61:3; 118:5-6; Jes.41:10; 43:1). Im Neuen Testament ist uns vor allem richtungsweisend das Wort Jesu: „In der Welt habt ihr Angst“ (Joh.16:33). Wir ersehen daraus, dass Jesus durchaus Verständnis dafür hatte, wenn Seine Jünger in Weltangst gerieten. Er forderte nicht von ihnen, dass sie als seine Jünger überhaupt frei von Angst sein/bleiben müssten. Er war nicht so wirklichkeitsfremd, dass ER die Angst als etwas Unnatürliches angesehen hätte. Er machte darum Seinen Jüngern auch keine Vorwürfe wegen ihrer Angst. Weil ER die Angst aus eigenem Erleben kannte, vermag Er als der himmlische Hohepriester Mitleid mit unserer Angst zu fühlen (Hebr.4:15). Aber wie ER Seine Angst überwand, so will Er auch uns helfen, von unserer Lebensangst loszukommen. „ER erlöste die, die durch Todesfurcht im ganzen Leben Knechte sein mussten.“ (Hebr.2:15). Und darum fügte Jesus Seinem Wort „In der Welt habt ihr Angst“ ein kostbares aber hinzu: „Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Mit dieser Verheißung bietet sich Jesus Seinen Jüngern als Befreier von aller Weltangst an. Er führt die Seinen zwar oft genug in anstrengende Lagen hinein, bzw. lässt diese zu – aber ER lässt sie nicht darin stecken, sondern ist gerne bereit, sie aus der Angst wieder hinauszuführen. Deshalb sollst du nicht dein Leben lang ein Sklave der Weltangst bleiben, sondern darfst inmitten aller Ängste voller Vertrauen auf Jesus blicken! Er kann die Angst benützen, um deinen Glauben zu stärken. Hat ER nicht Seinen Jüngern im Sturm geholfen, damit sie in ihrer Angst auf Ihn vertrauen? Und sollte nicht Petrus, als er auf dem Wasser ging, es in der Angst lernen, auf Ihn zu sehen und Seine Hand zu ergreifen? So will Jesus auch dich, wenn du in Gefahr schwebst, bei deiner rechten Hand festhalten (Psalm 73:23). Er lässt dich zwar allerhand notvolle Lagen erleben, um dir dann aber die Lehre zu erteilen, dich ganz abhängig von IHM zu wissen und dir auf diese Weise zu helfen, von deiner Angst loszukommen. Welch ein mehr als tröstlicher Gedanke ist es, dass die Weltangst dich nicht zu schrecken braucht, weil Jesus „die Welt überwand“, d.h. die Welt mit all ihren Bedrohungen, mitsamt ihrem Fürsten, dem Teufel, unter Seine Gewalt brachte. Seitdem Er, gen Himmel aufgefahren, zur Rechten Seines Vaters dein Leben lenkt, brauchst du dich nicht mehr zu fürchten. Der lebendige Glaube an den gekreuzigten, auferstandenen und erhöhten Herrn ist in der Tat so gewaltig, dass er die Lebensangst zum Schwinden bringen kann! Wer mit dem Überwinder der Welt in engste Verbindung tritt, der darf es erfahren, dass er von seiner Lebensangst loskommt. Wie trostvoll und frohmachend ist für ihn der Ausruf Davids: „Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen!“ (Psalm 27:1). Auch du kannst alle Furcht vor den Gefahren und Nöten dieser Welt überwinden durch die Gewissheit der steten Gegenwart und Kraftmitteilung Jesu, kannst alle Furcht vor einem grausamen Geschick loswerden durch den Glauben an den, der gesagt hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!“ und der auch dein Schicksal voll und ganz in Seinen Händen hält. So kannst du alle Furcht vor schlechten und rachsüchtigen Menschen überwinden (Röm.8:31), kannst alles Grauen vor dem Tode weglegen durch die Gewissheit, als Kind des himmlischen Vaters auch ein Erbe des ewigen Lebens zu sein. So kannst du auch den Nachstellungen des Bösen entgegentreten durch die Berufung auf Jesu Verheißungen: „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen!“ (Joh.10:28) und „Nichts soll euch irgendwelchen Schaden tun!“ (Luk.10:19). Der Glaubende weiß zwar sehr wohl um die Wirklichkeit und die Macht Satans; aber dieser kann ihm nichts mehr anhaben, wenn er auf Jesus blickt, der durch Seinen Tod dem die Macht genommen hat, der des Todes Gewalt hatte (Hebr.2:14). Darum darfst du auch trotz dem pessimistischen Blick auf die Weltlage doch getrost sein. In jeder angstvollen Lage deines Lebens kann dir ein Wort Gottes als Stärkung und Aufmunterung zuteil werden (Psalm 119:50). So ist für jede Lebensangst der Glaube an Jesus das Heilmittel. Während ohne IHN die Lebensangst zu einer unerträglichen Qual werden kann, ist sie mit IHM effektiv gebannt. Darum öffne dein Ohr der Stimme Gottes, hebe deine Augen auf zu dem lebendigen Herrn, öffne deinen Mund und schreie zu IHM, so wie Jesus in Gethsemane seinen Vater im Himmel anrief. Er hat verheißen, alle Mühseligen und mit Angst Beladenen zu erquicken. Er will auch dir helfen, dass deine Lebensangst dich nicht zu Boden wirft, sondern dass du ein freier und froher Mensch werden kannst, der in Gott zur Ruhe kommt und mutig allem entgegenblicken kann, was auch kommen mag. Aus Kenia wurde berichtet, dass einige Eingeborene in eine christliche Schule eindrangen. Die Lehrer rannten weg außer dem schwarzen Schulleiter. Die Bande ging mit Pistolen und Messern auf ihn los. Mit eingeschlagenen Zähnen und Schnittwunden am Kopf ließen sie ihn liegen. Als ein Missionar ihn später fragte: „Wie war es, als dich die Leute bedrohten? Hattest du Angst ?“ Da antwortete er: “Nein, ich hatte keine Angst, ich empfand nichts als Liebe und Freude und die Gegenwart Jesu mit mir.“ Ist es nicht etwas Wundervolles, wenn der wahre Christ in vollem Frieden sein Leben beschließen kann in dem Wissen, dass er in die obere Heimat eingehen darf, wo weder der Tod noch Leid noch Geschrei noch Schmerz sein wird (Offb.21:4)? So kannst auch du angesichts aller Lebensangst im Blick auf den Herrn Jesus sprechen: „Ist auch die Zukunft meinem Blick verhüllt, vertrau ich still, seitdem ich weiß, dass sich Sein Plan erfüllt, vertrau ich still. Seh’ ich nicht mehr als nur den nächsten Schritt, mir ist’s genug. Mein Herr geht selber mit.“

III. Die schuldbedingte Angst

Schuld gegenüber Menschen

Fast ebenso häufig wie die Lebensangst ist die schuldbedingte Angst anzutreffen. Auch sie ist so alt wie die Menschheit. Schon der erste Sündenfall erzeugte im Menschen die Angst (1.Mo.3:8). Jeden, der sich seiner Schuld bewusst wird, ergreift die Angst. Hat er gegenüber einem Menschen eine Verfehlung begangen, fürchtet er, dieser könnte von seiner Schuld Kenntnis bekommen und ihn zur Rechenschaft ziehen. Er fürchtet seine Stellung zu verlieren, die Achtung vor seinen Mitmenschen einzubüßen, vor Gericht gezogen zu werden. In seiner Angst sucht er die Schuld zu verbergen oder zu verkleinern, weshalb er dauernd eine Maske aufsetzen muss. Dabei wird er mehr und mehr verstrickt in Unehrlichkeit und nicht selten in neue Verfehlungen. „Das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie ‚fortzeugend’ Böses muss gebären.“ So fügte Adam zu der Sünde des Ungehorsams sofort die Sünde der Lüge hinzu und schob die Schuld auf Eva (1.Mo.3:10,12). Dadurch aber wird die Angst des Menschen nur noch größer und sein schlechtes Gewissen lässt ihm keine Ruhe mehr.

Schuld gegenüber Gott

Ist schon die Angst vor Menschen und einem irdischen Gericht qualvoll genug, wird sie noch um Vielfaches durch die Furcht vor dem allwissenden und allgegenwärtigen Gott gesteigert, vor dem der Mensch nichts verbergen kann, und durch die Furcht vor dem Jüngsten Gericht, an dem er Rechenschaft ablegen muß über jedes Wort und jede Tat. Und es wird ihm klar, dass jede Versündigung gegenüber einem Menschen gleichzeitig und in erster Linie eine Sünde gegenüber dem heiligen Gott bedeutet. So bekennt David: „An Dir allein habe ich gesündigt und übel vor Dir
getan“(Psalm 51:6). Der Mensch macht vielleicht wie Adam einen kläglichen Versuch, sich vor Gott zu verstecken; aber er kommt zu der Erkenntnis des David, dass es unmöglich ist, vor Seinem Angesicht irgendwohin zu fliehen (Psalm 139:7), und dass er so, wie er ist, vor dem gerechten Gott niemals bestehen kann. In solcher Lage suchen viele Menschen die Existenz Gottes zu leugnen in der Meinung, auf diese Weise von ihrer Angst vor einer Vergeltung frei zu werden.

Schuldbedingte Angst in der Bibel

Die Bibel enthält nicht wenige Beispiele von schuldbedingter Angst. So erging es dem Propheten Jesaja, als er in einer Vision Gottes Herrlichkeit sah. Er konnte nur noch ausrufen: „Weh mir, ich vergehe, denn ich bin unreiner Lippen!“ (Jes.6:5). So erging es den Hirten von Bethlehem, die in großer Furcht erschraken, als ihnen die himmlischen Heerscharen erschienen (Luk.2:9). So erging es auch einem Petrus, als er das Wunder des Fischzugs erlebte (Luk.5:8-9). Ebenso erschraken Petrus, Johannes und Jakobus zutiefst, als sie den verklärten Herrn sahen (Matth.17:6). Und Johannes wurde aus lauter Furcht vor der Erscheinung Jesu ohnmächtig (Offb.1:17). Auch die vielen Menschen, die Zeugen der Wunder Jesu waren, wurden von Furcht erfüllt (Luk.4:36; 5:26; 7:16; u.a.). So erging es den Soldaten und den Jüngern bei der Auferstehung Jesu (Matth.28:4,8). Und als Jesus dem Saulus in den Weg trat, wurde dieser von Zittern und Zagen befallen (Apg.9:6). Auch die junge Christengemeinde in Jerusalem überkam große Furcht, als sie die Zeichen und Wunder miterlebte, die die Apostel vollbrachten (Apg.2:43; 5:5,11). Immer ist es die Furcht vor dem allmächtigen Gott, weil der Mensch plötzlich zu der Erkenntnis gelangt, dass er in seiner Sündhaftigkeit vor Gott nicht bestehen kann.

Die Folgen der schulbedingten Angst

Die Angst im Blick auf eine begangene Schuld kann den Menschen so sehr überwältigen, dass er alles drangeben würde, wenn er den dunklen Punkt aus seinem Leben ausmerzen könnte. Aber es gelingt ihm nicht. Solange die Schuld nicht vergeben ist, kann er sie zwar verbergen (verdrängen), aber nicht ungeschehen machen. Immer wieder, besonders in der Stille der Nacht, steht sie riesengroß vor seiner Seele und hindert ihn nicht nur am Schlaf, sondern auch an einer fruchtbaren Tätigkeit am Tage. Die seelische Belastung, die nach einer schweren Schuld über den Menschen hineinbricht, geht meist mit Selbstvorwürfen, ja sogar ggf. mit seelisch-körperlichen
Schädigungen einher. Das hatte David nach begangener Schuld zur Genüge erfahren, wenn er in Psalm 32 von der Angst vor Entdeckung durch die Menschen und von seinen schweren, seelischen und körperlichen Qualen berichtet: „Da ich’s wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Heulen. Denn Deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.“

Die Befreiung von der schuldbedingten Angst

Wie aber können wir von der schuldbedingten Angst loskommen? NUR Jesus kann dir das schlechte Gewissen nehmen, weil ER für deine Sünde in den Tod gegangen ist. Darum wende dich in deiner Angst zu IHM und bitte IHN in wahrer Buße (Reue > Umdenken) um Vergebung aller Schuld! Der Glaube, dass das stellvertretende Sühnopfer Jesu auch dir gilt, und die Reue über all dein Unrecht ist die Bedingung zur Tilgung deiner Sünden und zur Befreiung von deiner Angst. Hast du dadurch die Gewissheit der Vergebung erlangt, so darfst du dich als Gottes geliebtes Kind ansehen und die Verheißung für dich annehmen, dass du nicht ins Gericht kommst (Joh.3:18; 5:24). Denn durch die Vergebung ist die Schuld so restlos getilgt, als ob sie überhaupt nicht begangen wäre. Gott gedenkt ihrer nimmermehr, ER wirft die Sünde hinter sich und versenkt sie in die Tiefen des Meeres (Jer.31:34; Jes.38:17; Mich.7:19). Wenn du dies im Glauben fassen kannst, bist du wahrhaft glücklich zu preisen (Psalm 31:1-2). Nun ist Gott für dich nicht mehr der strenge Richter, sondern der liebende Vater. Die Angst vor dem Richter macht der Dankbarkeit gegenüber dem Vater Platz, und an die Stelle der Furcht vor dem Gericht tritt die Liebe zu Gott (1.Joh.4:18). Und selbst wenn du irgendeine Folge deiner Sünde zu tragen hättest, vielleicht eine Krankheit, eine Freiheitsstrafe, den Tod eines anderen oder ein ungeratenes Kind – die Gewissheit der Vergebung wird dich auch über dieses Schwere hinwegbringen, wenn du in der rechten Demut zu Gott stehst. Du erkennst, dass ein gutes Gewissen viel wichtiger ist als alles, was Gott als Folgen deiner Sünde zulässt. So konnte David sich der Vergebung seiner schweren Schuld erfreuen, obwohl Gott zur Strafe sein Kind sterben ließ (2.Sam.12:13-24). Vielleicht aber verlierst du trotz der erlangten Vergebung durch Gott deine Angst noch nicht völlig, weil du dir bewusst wirst, dass Gott ein Bekenntnis deiner Schuld auch gegenüber dem erwartet, den du geschädigt hast. In diesem Falle ringe dich zu dem Entschluß durch, zu ihm zu gehen und dich mit ihm zu versöhnen (Matth.5:24)! Nur durch ein offenes Geständnis und durch Wiedergutmachung deines Unrechts wirst du von aller Angst frei und kannst tiefen Frieden ins Herz bekommen, so wie es der Sünderin erging, der Jesus mit den Worten „Dir sind deine Sünden vergeben, dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin mit Frieden!“ alle Angst-, Verdammnis- und Schuld-Komplexe hinwegnahm (Luk.7:48,50).

IV. Die ichhafte Angst

Die Lebensangst und die schuldbedingte Angst sind nicht die einzigsten Ängste, mit denen die Menschen zu tun haben. Eine wesentliche Rolle spielen daneben allerhand andere Ängste, die aus seiner Ichhaftigkeit heraus entstehen. Sie können den Menschen derart beherrschen, dass sie in seinem Gedankenleben und in seinem Handeln den ersten Platz einnehmen.

Die Ursachen der ichhaften Angst

Die Ursachen der ichhaften Angst sind mannigfacher Art, aber immer steht dabei das ICH des Menschen im Vordergrund. So gerät der ichhafte Mensch stets dann in Angst, wenn er glaubt, die Achtung seiner Person könnte eine Beeinträchtigung erfahren. Er fürchtet sich, vor seinen Mitmenschen irgendwie aufzufallen und‚ in den Mund der Leute zu kommen’. Das Schlimmste, was ihm widerfahren kann, ist, sich lächerlich zu machen. Oder er besitzt den falschen Ehrgeiz, seine Mitmenschen zu übertrumpfen; dabei gerät er aber in dauernde Angst, er könnte dabei den Kürzeren ziehen und von ihnen nicht mehr anerkannt werden. Ichhaftigkeit als solche ist oft die Schüchternheit des Kindes, das fürchtet, sich eine Blöße zu geben, wenn es sich vor den anderen unbefangen benehmen würde. Ichhaft kann auch die Examensangst, das Lampenfieber oder die Angst etwas verkehrt zu machen, sein – nämlich dann, wenn ein übergroßes Geltungsstreben dahintersteckt. Oder der Mensch fürchtet sich, die Erwartungen, die er an das Leben stellt, könnten nicht genau so in Erfüllung gehen, wie er es sich wünscht. Wenn er die Bequemlichkeit über alles liebt, hat er Angst, diese einmal aufgeben zu müssen. Hat er nicht gelernt, Verzicht zu üben, so fürchtet er sich vor jeder Entbehrung, die ihm droht. Ist ihm das Geld zum Götzen geworden, plagt ihn die Angst, er könnte in Verarmung geraten. Hängt er mit allen Fasern seines Herzens an einem ihm liebenden gewordenen Gegenstand, fürchtet er, ihn eines Tages zu verlieren. Auch unter der heutigen Jugend gibt es so manche, die in Angst geraten, wenn sie sich in ihrem Freiheitsstreben bedroht fühlen und in ihrem Vorwärtskommen behindert sehen. Ebenso kann das Geschlechtsleben von Angst durchsetzt sein. Die Frigidität der Frau ist z. B. nicht selten die Folge der Angst vor den Mühen, die ihr ein weiteres Kind bereiten würde. Ichhaft ist ferner die dreifache Angst vieler junger Mädchen, die regelmäßig die ‚Pille’ nehmen, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Einmal fürchten sie, die erwünschte Wirkung könne ausbleiben. Dann ist da die Angst, sie könnten ihren Partner verlieren, falls sie von der Pille Abstand nehmen. Und zuletzt werden sie die geheime Angst nicht los, der ständige Gebrauch der Pille könnte allmählich eine Schädigung des Organismus zur Folge haben. Weit verbreitet ist die ichhafte Angst des Menschen um sein körperliches Befinden. Wenn ihm sein gesundheitliches Wohl und Wehe über alles geht, schwebt er in dauernder Angst, sich eine Erkrankung zuzuziehen. Wenn z. B. ein anderer ihm von seinen körperlichen Beschwerden erzählt, glaubt er, bald dieselben Störungen bei sich wahrzunehmen. Besonders der Gedanke an unheilbare und ansteckende Krankheiten flößt ihm eine übermäßige Angst ein. Die Krebsfurcht, die als Lebensangst anzusehen ist, wird durch die ichhafte Angst ins Maßlose gesteigert. Schon bei geringen, körperlichen Beschwerden fürchtet der ichhafte Mensch, ein ernsthaftes Leiden zu haben. Dabei wird er von zwei Empfindungen hin- und hergeworfen: Von der Furcht, man sage ihm nicht die volle Wahrheit über seinen Zustand, und der Hoffnung, die Versicherung zu erhalten, dass seine Angst unbegründet sei. So geht er von einem Arzt zum anderen, wobei er gewöhnlich demjenigen, dessen Urteil weniger günstig ausfällt, mehr Glauben schenkt, als dem, der ihn zu beruhigen sucht Auch gerät er in Angst, wenn er die Lebensgewohnheiten nicht einhält, die er für die Richtigen hält, wie z.B. eine besondere Kost, bestimmte Arzneien, eine jährliche Kur, ein geeignetes Klima. Ichhaft ist ferner die Angst vieler Menschen, die auffallende körperliche Merkmale an sich tragen, wie abstehende Ohren, eine geringe Körpergröße, eine Glatze schon in jungen Jahren, usw.

Die Angst als Mittel zu einem bestimmten Zweck

In besonderer Weise neigt das Kind zu ichhafter Angst. Bei einem Gewitter äußert es z. B. lebhafte Angst. Die Mutter kommt, bleibt bei ihm und beruhigt es mit freundlichen Worten. Dem Kind tut es wohl, dass die Mutter ihm freundlich zuspricht. Wenn nun wieder ein Gewitter kommt oder sonst eine Gefahr droht, flüchtet es in die Angst, um die Hilfe der Erwachsenen zu erfahren. So benützt es unbewusst die Angst als ein Mittel zur Erlangung seiner ichhaften Wünsche. Die Variationsmöglichkeiten können vielfach im Leben eines Kindes als auch bei Erwachsenen sein.

Die ichhafte Angst in der Bibel

In der Bibel finden sich zwei Beispiele von ichhafter Angst. Als der König Saul wegen seines Ungehorsams von Samuel zur Rede gestellt wurde, bekannte er, er habe den Befehl des Herrn übertreten, weil er gefürchtet habe, die Gunst des Volkes zu verlieren, wenn er dem Willen seiner Volksgenossen nicht nachkäme (1.Sam.15:24). Und als Jesus seinen Jüngern von seinem bevorstehenden Leiden berichtete, befiel Petrus ein Bangen um seine eigene Zukunft, weshalb er Jesus den Rat gab, sich zu schonen. Doch Jesus erkannte seine wahre Gesinnung und wies ihn scharf zurecht (Matth.16:21-23).

Die Befreiung von der ichhaften Angst

Wenn du von der ichhaften Angst loskommen willst, ist es nötig, dass du deine offene oder geheime Ichhaftigkeit mit all ihren Äußerungsformen erkennen lernst. Sieh dir deshalb Jesus an, der frei von jeglichem Trachten nach eigener Ehre war, sondern nur die Ehre Seines Vaters im Himmel suchte (Joh.5:41), und suche nicht deine ichhaften Wünsche und ehrgeizigen Pläne durchzusetzen! Gib (in deinem Interesse!) das Streben auf, dich unter allen Umständen vor den Menschen in ein gutes Licht zu rücken. Das Entscheidende ist nicht, wie du in den Augen der Menschen dastehst, sondern was Gott über dich denkt! Vor Seiner Heiligkeit schrumpft die Größe des eigenen ICH völlig zusammen. Auch Paulus gibt uns ein Vorbild in der Zurückstellung der eigenen Person. Sein ICH lebte nicht mehr, sondern nur noch Christus IN ihm (Gal.2:20). Darum hatte die ichhafte Angst keinen Raum mehr in seinem Herzen. Nimm auch dein Wohlbefinden nicht allzu wichtig, sondern vertraue dein Leben dem allmächtigen Gott an! ER ist der Herr deines Leibes, in Seiner Hand steht Gesundheit und Krankheit. Wenn ER dir ein Kreuz auferlegt und es dir trotz deiner Bitten nicht wegnimmt, dann sei nicht leidensscheu, sondern suche es willig zu tragen und dich im Leiden zu bewähren! An die Stelle der Angst vor dem Leiden sollte nun die Bereitwilligkeit zum Leiden kommen – wie immer Gott es zulassen mag. Es kommt im tiefsten Grunde nicht darauf an, dass du dich einer dauernden Gesundheit erfreust und möglichst lange lebst, sondern dass du geläutert und ausgereift dein Leben beschließt, wann Gott es für gut hält. Je mehr du auf diese Weise Gott die Herrschaft in deinem Leben einräumst und je mehr du an den Leiden und Freuden deines Nächsten liebevoll teilnimmst, desto mehr wird alle Sorge um deine Geltung vor/bei den Menschen und um dein körperliches Wohlbefinden in den Hintergrund treten und der Friede Gottes wird dich erfüllen. Darum ruft Gottes Wort dir zu: „Sorget um nichts ..., dann wird der Friede Gottes eure Herzen und Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren“ (Phil.4:6-7).

V. Die krankhafte Angst

Neben den beschriebenen Angstformen ist noch eine letzte Gruppe zu erwähnen: Die krankhafte Angst. Während von der durch rein körperliche Störungen, wie z.B. durch Herzleiden oder Bronchialasthma, verursachten Angst hier nicht die Rede sein soll, kennen wir mehrere seelische Erkrankungen, die mit Angst einhergehen. Nur die hauptsächlichsten unter ihnen seien hier genannt: Die angeborene Angst, die erlebnisbedingte Angst und die Angst des Schwermütigen. Häufig sind mehrere dieser und der früher erwähnten Angstformen gleichzeitig anzutreffen. So kann z. B. ein ängstlich Veranlagter in eine erlebnisbedingte Angst geraten oder es kann die Schwermutsangst und die Lebensangst mit der ichhaften Angst verbunden sein, oder es findet sich die angeborene Angst mit der schuldbedingten gepaart. Auf diese Weise entstehen die mannigfaltigsten Zustandsbilder von verschiedener Stärke.

Die angeborene Angst

Diese beruht auf einer krankhaften Anlage, die sich schon beim Kind in erheblichem Grade bemerkbar machen kann, indem es bereits bei geringfügigen Anlässen von lebhafter Angst befallen wird. So kann manches Kind am Abend nur dann einschlafen, wenn es unmittelbar neben dem Vater oder der Mutter liegt. Auch wird ihm bange, wenn es in der Nacht das Sausen des Windes, das Bellen eines Hundes oder das Geräusch von Flugzeugen hört. Das Schulkind fürchtet dauernd, zu spät zur Schule zu kommen, die Fragen des Lehrers nicht beantworten zu können, von seinen Mitschülern gehänselt zu werden, seine Hausaufgaben nicht richtig zu machen. Auch als Erwachsener zeigt der ängstlich Veranlagte meist Furcht vor Menschen und Begebenheiten, die den seelisch Gesunden nicht weiter berühren. Auch fürchtet er sich vor bestimmten Tieren, wie Spinnen, Fledermäusen, Ratten, Hunden, vor Leichen, vor Blut, vor Einbrechern, vor dem Alleinsein, u.a.m.

Minderwertigkeitsgefühle/-komplexe

Besonders häufig ist die Angst mit Minderwertigkeitsgefühlen verbunden. Der ängstlich Veranlagte ist im Verkehr mit seinen Mitmenschen von starker Selbstunsicherheit erfüllt, auch ohne dass eine verkehrte Erziehung im Sinne einer Unterdrückung seines Selbstbewusstseins schuld wäre. Er wagt nicht, seine Meinung den anderen gegenüber zu vertreten, und benimmt sich oft ungeschickt, so dass ihm manches misslingt, was seine Scheu/Angst vor anderen noch erhöht. Jede schwierige Aufgabe bereitet ihm Angst, weil er dem Leben hilflos gegenübersteht. In seiner mangelnden Entschlusskraft bangt er vor jeder Entscheidung, die er zu treffen hat. Auch ist er infolge seines geringen Selbstvertrauens völlig abhängig von dem Urteil/der Meinung seiner Mitmenschen ... unabhängig davon ob diese(s) faktisch falsch oder richtig ist. Mit Höherstehenden und Fremden wagt er sich kaum zu unterhalten. Besonders den Behörden gegenüber macht sich seine Unsicherheit stark bemerkbar. Hat er einmal eine Leistung vollbracht, ist er mit ihr unzufrieden, weil er die Leistungen anderer höher einschätzt. Selbst wenn ihm Vertrauen und Achtung entgegengebracht wird, kommt er von seinen Minderwertigkeitsgefühlen nur schwer los. Als Christ wagt der ängstlich Veranlagte nicht, Jesus zu bekennen, weil ihm die Festigkeit des Glaubens fehlt. Kämpfer zu sein, liegt ihm nicht. Wir kennen in der Heiligen Schrift einen Mann, der eine Ängstlichkeit an den Tag legte, die er offenbar von Jugend an besaß: Timotheus. Als Paulus ihn in seiner Arbeit allein ließ, befiel ihn lebhafte Angst, so dass er in Tränen ausbrach. Trotz der frommen Erziehung durch seine Mutter und Großmutter und trotz der seelsorgerlichen Bemühungen durch Paulus, seines geistlichen Vaters, fürchtete er sich davor, selbständig in den Dienst des Herrn zu treten, seinen Glauben zu bezeugen und um seines Herrn willen auch das Leiden auf sich zu nehmen (2.Tim.1:4-8; 2:3). Er war in Gefahr, auf seine Unerfahrenheit zu blicken und seine Berufung zum Dienst wie auch die ihm verliehene Geistesgabe gering zu achten (1.Tim4:12,14). Wenn Timotheus nicht ängstlich veranlagt gewesen wäre, sondern lediglich vor dem ihm übertragenen Amt gebangt hätte, wären die zahlreichen Ermahnungen des Paulus kaum nötig gewesen; vielmehr hätte er aufgrund seines Glaubens sehr bald seine Angst überwunden.

Beziehungs- und Zwanggedanken

Meist sind die Minderwertigkeitsgefühle von Beziehungsgedanken begleitet, d.h. von der Neigung, alles was einem begegnet, auch ganz unscheinbare Begebenheiten, auf sich zu beziehen. Solch ein Mensch fühlt sich infolge seines mangelnden Selbstvertrauens oft von den anderen beobachtet oder ausgelacht, wenn sich diese in seiner Nähe aufhalten oder in Lachen ausbrechen. Hat sich etwas Schlimmes ereignet, fürchtet er, man halte ihn für den Schuldigen. Wird eine Frage an ihn gerichtet, sieht er hinter ihr leicht einen versteckten Vorwurf. Ebenso befallen den Ängstlichen nicht selten allerhand Befürchtungen, von deren Sinnlosigkeit er selbst überzeugt ist. In diesem Fall sprechen wir von Zwangsangst, weil die Angst wie ein Zwang über ihn kommt, ohne dass er imstande ist, sich ihrer zu erwehren. Er kann von dauernder Angst geplagt sein, Gegenstände zu berühren, weil er sich dadurch zu beschmutzen glaubt, oder von der Befürchtung, seine Arbeit nicht richtig gemacht zu haben, so dass er immer wieder kontrollieren muss. Oder er hat Angst, er könne durch Nadeln oder andere spitze Gegenstände sein Kind verletzen, so dass er solchen Gegenständen peinlich aus dem Wege geht. Auf der Straße kann ihn die Zwangsangst packen, er habe den vorübergehenden Menschen irgendeinen Schaden zugefügt, weshalb er sich nach ihnen umdrehen muss. Auch ist es ihm nicht möglich, einen freien Platz zu überqueren oder sich in einem geschlossenen Raum aufzuhalten. Selbst wenn er sich immer wieder einzureden versucht, er habe doch keinen Grund zu solcher Angst, kann ihn eine Todesfurcht mit rasendem Herzklopfen befallen, sobald er den Versuch unternimmt, den freien Platz, bzw. den geschlossenen Raum zu betreten. Ebenso kann er in dauernder Angst leben, im Gespräch mit einem anderen etwas Liebloses oder Unwahres zu sagen oder gesagt zu haben und ihn dadurch zu verletzen. Er bittet daher immer wieder um Entschuldiggung für Handlungen, die er – durchaus ohne Grund – als Schuld empfindet. Auf diese Weise entwickeln sich Zwangsbefürchtungen die Zwangsantriebe = die Beschmutzungsangst löst den Waschzwang aus, die Furcht etwas falsch gemacht zu haben, verursacht den Kontrollierzwang, die Angst beobachtet zu werden, die Platzangst, usw. Solche Zwangsängste können, wie wir sehen, geradezu absonderliche Formen annehmen und die von ihnen Befallenen aufs äußerste quälen. In der Fachsprache werden diese als ‚Zwangsneurose’ bezeichnet.

Der Christenglaube als reale Hilfe

Wie können wir die angeborene Angst bekämpfen? Der biblisch-christliche Glaube erweist sich auch hier vielfach als ein wertvolles Hilfsmittel. Befällt dich die Unsicherheit und Furcht vor den Mitmenschen, so sei dir dessen bewusst, dass auch der vor der Welt angesehene Mensch vor Gott ein ebenso armer und erlösungsbedürftiger Sünder ist, wie du selber, und dass du deshalb gar keinen Anlass hast, dich vor einem Menschen zu schämen oder dich mit ihm zu vergleichen. Wenn du dich ganz abhängig von Gottes Gnade weißt, wirst du unabhängig von der Meinung deiner Umgebung; wenn du deines Glaubens gewiss bist, kannst du anderen offen und frei gegenübertreten. Bist du bestrebt, nach dem Wohlgefallen Gottes zu leben, brauchst du nicht immer ängstlich zu fragen, ob du deinen Mitmenschen gefällst, ob du richtig in ihren Augen handelst, sondern du darfst Gott vertrauen, dass ER dir im rechten Augenblick die rechte Erkenntnis und die richtigen Entschlüsse eingeben, dich an das von dir gelesene Wort Gottes erinnert oder dir zur rechten Stunde einen Menschen als Ratgeber über den Weg schicken wird. Und dann darfst du erfahren, dass die Kraft Gottes sich auch in deiner Angst als mächtig erweiset (2.Kor.12:9). Auch in all deinen Minderwertigkeitsgefühlen brauchst du dich –im tiefsten Grund- nicht zu fürchten, sondern du darfst wissen, dass du ein von Gott Begnadeter, durch Jesus Erlöster und darum Sein Kind bist – und damit in Seinen Augen wertgeachtet und von IHM geliebt (Jes.43:1,4). Wenn du dich vor IHM klein fühlst, darfst du dich mit IHM groß fühlen (Psalm 18:30). Den furchtsamen Timotheus wies Paulus auf den heiligen Ruf hin, der ihm von Jesus zuteil geworden war (2.Tim.1:9). So wie er sich selbst seines Glaubens nicht schämte, sondern wusste, an wen er glaubte, so sollte auch Timotheus bei der Wortverkündigung in der Gewissheit und Freudigkeit des Glaubens stehen, ohne sich zu fürchten. Denn Gott habe ihm nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gegeben (2.Tim.1:12-13). Deshalb solle Timotheus sich in Jesus stark fühlen und sich im Kampf mit dem Feind als guter Streiter bewähren (2.Tim.2:1,3,5). Er solle auch das Leiden willig auf sich nehmen, denn dieses sei all denen auferlegt, die gottselig leben wollen (2.Tim.3:12). Darum bitte täglich um den Geist der Zeugenkraft, wenn es den Glauben zu bekennen gilt! Bitte täglich um den Geist der Liebe zur Überwindung deiner Hemmungen gegenüber Mitmenschen! Wenn du ihnen in Hilfsbereitschaft und wahrem Erbarmen begegnest, werden deine Minderwertigkeitsgefühle ganz von selbst verschwinden! Bitte um den Geist der Besonnenheit/Selbstzucht, d. h. der Entschlossenheit, die nicht den Mut sinken lässt, nicht feige zurückschreckt, nicht dem Leiden ausweicht! Auf diese Weise kannst du, wie Timotheus, deine angeborene Ängstlichkeit verlieren, selbst wenn manche Rückschläge passieren sollten. Wenn dir aber Gott trotz deines ständigen Aufblicks zu IHM die angeborene Angst nicht oder nicht völlig nimmt, weil dies ggf. Seinem heiligen Willen mit dir entspricht, dann hat ER zweifellos die Absicht, dich durch das Erleben deiner Angst innerlich zu fördern. Du darfst deshalb in solchem Falle deine angeborene Angst als ein dir von Gott auferlegtes Kreuz ansehen, dass dich in der Demut und Abhängigkeit von IHM erhalten soll. Du hast nur darauf zu achten, dass der Feind das dir von Gott auferlegte Kreuz nicht zu seinen Zwecken benützt, sodass du wie gebannt auf deine Angst siehst, den Blick auf Gottes Hilfe ganz aufgibst, in Verzagtheit oder in Murren gerätst und zu jedem Dienst für Gott untauglich wirst. Wenn du auf diese Weise dem Feind Raum in deinem Herzen gewährst , könnte es dir schließlich wie dem König Saul ergehen, dessen angebotene Ängstlichkeit der Teufel benützte, um ihn mehr und mehr von Gott abzubringen und ins Verderben zu stürzen. So bitte Gott im Namen Jesus um die Kraft, dein Kreuz ggf. willig zu tragen und darüber still zu werden! Es kommt im tiefsten Grunde nicht darauf an, dass du unter
allen Umständen von deiner Angst frei wirst, sondern darauf, dass du inmitten der Angst dich ganz von IHM abhängig weißt und dich als Diener Gottes bewährst (2.Kor.6:4). Auch in der Angst brauchst du dich nicht von Gottes Liebe scheiden zu lassen, sondern darfst/wirst überwinden – d. h. standhaft am Glauben festhalten, durch den, der dich liebt (Röm.8:35,37). Du bist IHM vielleicht nie so nahe, als wenn du in der Angst ganz und gar auf Seine Hilfe harrst. Gott bleibt auch in deiner Angst der Gott der Liebe, und dein Kindesverhältnis zu IHM wird durch deine Angst keineswegs beeinträchtigt. Wenn du auch viel von der Angst angefochten werden magst, kann sie dir doch nichts anhaben, sondern du bist geborgen in deines Vaters Liebe. Je größer, realer und wirklicher dir Seine Liebe in deiner persönlichen Erfahrung wird, um so kleiner und unwichtiger wird dir die Angst. Gott allein weiß, warum ER alles, was Ängstlichkeit und Angst heißt, in deinem Leben zulässt. Wenn du dich an IHN hältst, wird ER nicht zulassen, dass diese dich übermannt (1.Kor.10:13). Auf diese Weise wird deine Angst, wenn sie dir zunächst auch schwer und lästig erscheinen mag, schließlich zur heilsamen Angst. Wenn diese dennoch mehr und mehr quälend wird, dann wisse, dass Gott dir den Namen JESUS und das Blut Jesu gegen den gegeben, hat, der dich ggf. durch seine Dämonen quält > der Teufel. In Jakobus 4:7 lesen wir: „Unterwerft euch also Gott und widersteht dem Teufel, so wird er von euch fliehen.“ Die Waffen Gottes zum Widerstehen sind der Name Jesus und das Blut Jesu ...

Die erlebnisbedingte Angst

Diese befällt den Menschen, der von einem schweren Angsterlebnis heimgesucht wurde. Sie kann ihn sein ganzes Leben lang begleiten. Besonders in der empfänglichen Seele des Kindes kann das Angsterlebnis eine solche Wunde hinterlassen, dass es noch im Erwachsenenalter immer wieder lebhafte Angst hervorruft, weil eine Wiederholung des gleichen Erlebnisses befürchtet wird. Vielfach senkt sich das Angsterlebnis ins Unterbewusstsein, so dass die wahre Ursache der Angst verborgen bleibt. In diesem Falle kann bei bestimmten Anlässen oder zu bestimmten Zeiten eine dem Menschen unerklärliche Angst aufsteigen.

Die Ursachen unerklärlicher Ängste

Nur wenige Beispiele mögen dies veranschaulichen: Ein Mann wurde infolge einer unglücklichen Ehe, die geschieden wurde, von großer Furcht vor jeder Frau ergriffen, mit der er näher bekannt wurde, so dass er sich sofort scheu vor ihr zurückzog. Ein junges Mädchen befiel immer, wenn es seine Wohnung verlassen wollte, eine lebhafte Angst, seitdem sie einmal auf der Straße ohnmächtig geworden war; sie konnte nur solche Wege gehen, auf denen sie Menschen traf. Ein Mann in älteren Jahren hatte sein Leben lang Furcht vor dem Ertrinken, weil er als Kind einst fast ertrunken war. Ein junger Mann hatte Angst vor jedem erwachsenen Mann. Es stellte sich heraus, dass er in diesem seinen strengen Vater sah. Ein Mädchen erlebte jeden Abend Angstzustände, über deren Ursache sie sich viele Gedanken machte. Die Folge der Angst waren häufig Anfälle von Bewusstlosigkeit. Als der wahre Grund , der auf ein Kindheitserlebnis zurückzuführen war, aufgedeckt wurde, schwanden sowohl die Angstzustände als auch die Anfälle.

Die Befreiung von der erlebnisbedingten Angst

Die Beseitigung der erlebnisbedingten Angst erfolgt nicht etwa durch Ablenkungsversuche. Es wäre ein vergebliches Bemühen, dem von solcher Angst Befallenen durch Unterhaltung verschiedenster Art, Lektüre, Sport oder besondere Vergnügungen zu helfen. Durch diese Mittel lässt sich lediglich eine Verdrängung der Angst erreichen; sobald die Ablenkung aber nicht mehr wirksam ist, macht sich die Angst von neuem bemerkbar. Vielmehr muss die Ursache der Angst dem Kranken klargemacht werden, so dass er zur Überzeugung kommt, dass seine Angst nicht mehr begründet ist. Ist der Angst das Unerklärliche und Geheimnisvolle genommen, kann sie keine Wirkung mehr entfalten. Wenn dem Kranken das ursprüngliche Angsterlebnis nicht bewusst ist, gilt es durch eingehende Aussprachen (oder durch ein Beten um Offenbarung vonseiten Gottes) , das Erlebnis aufzudecken. Auf diese Weise kann der Kranke oft rasch von seiner Angst loskommen. Wenn aber trotz aller Aufklärung und Beruhigung die Angst bestehen bleibt, ist anzunehmen, dass diese mit einer angeborenen Ängstlichkeit oder abnorm starken Beeindruckbarkeit zusammenhängt. In diesem Falle wird sich der Kranke von der Furcht vor einem gleichen oder ähnlichen Angsterlebnis nur schwer freimachen können. Aus dem bislang Angeführten ist ersichtlich, dass bei der erlebnisbedingten Angst ggf. dem Neurologen oder dem Psychotherapeuten eventuell die Hauptaufgabe zufällt ... die konservative Seelsorge allein wird dann nicht genügen ... es sei denn, dass diese charismatischer Art (im Sinne von Offenbarungen Gottes über die eigentlichen Hintergründe im Seelenleben der Person) ist ... – Wollte ein Seelsorger in diesen Fällen lediglich rein schematisch vorgehen, so würde er einem Manne gleichen, der das Fieber bekämpfen wolle, ohne den Grund des Fiebers vorher gefunden zu haben. Darum vertraue dich einem gewissenhaften, gläubigen Fachmann an und berichte ihm in aller Offenheit über deine Angsterlebnisse aus früheren Jahren. Wenn Gott Seinen Segen dazu gibt, darfst du eine baldige Beseitigung deiner Angst erfahren. Bleibt sie jedoch trotz fachärztlicher Behandlung bestehen, kann die Betreuung durch einen charismatischen Seelsorger in der Art weiterhelfen, wie sie bei angeborener Ängstlichkeit angegeben wurde.

Die Angst infolge von Schwermut

Besonders quälend ist die Angst des Schwermütigen. Er bezeichnet sie nicht selten als die Hölle auf Erden. Seine Angst ist oft unbestimmter Art, d. h. er kann keinen Grund dafür angeben. In schweren Fällen kann die Krankheit mit wahnhaften Angstvorstellungen verbunden sein. So glaubt er z. B. fest an seine Unheilbarkeit. Er fürchtet, den Verstand zu verlieren, ins Irrenhaus gebracht zu werden, völlig zu verarmen, die Sünde wider den Heiligen Geist begangen zu haben, von Gott verlassen und ewig verloren zu sein. Seine Gefühlsarmut hält er für eine Strafe, seine
Unfähigkeit zur Arbeit für eine Willensschwäche. Er macht sich dauernd Vorwürfe über seine Verfehlungen, die aber als völlig unbegründet anzusehen sind. Dazu können noch erhebliche körperliche Ängste ihm zu schaffen machen. In den schlaflosen Stunden der Nacht plagt ihn die Angst vor dem Tage und am Tage die Angst vor der Nacht. Besonders in den Morgenstunden kann die Angst in quälender Stärke auftreten. Vielfach wird er von der Angst befallen, er könnte sich das Leben nehmen; oft aber ist der Drang zum Selbstmord noch größer als die Furcht vor dem Tode. Hierbei kann es sich um körperliche Störungen – aber ggf. auch um dämonische Einflussnahme handeln.

Ärztliche oder seelsorgerliche Behandlung?

Da die Angst des Schwermütigen auf einer körperlichen Störung beruhen kann, ggf. auch (fallbezogen!) real beruht, bedarf diese (im Akut-Fall) einer dringlichen, sachgemäßen, ärztlichen Behandlung, die vor allem in der Verabreichung von Psychopharmaka besteht – wobei das (wenn) lediglich eine Phase der Behandlung als solcher darstellen sollte. Eine eindringliche, seelsorgerliche Beeinflussung im Stadium großer Angst sollte tunlichst vermieden werden – sie kann im Gegenteil nur zur Verschlimmerung der Angst führen, da sich der Kranke außerstande sieht, den Ratschlägen und Ermahnungen des Seelsorgers nachzukommen. Erst wenn sich der Zustand des Schwermütigen gebessert hat und der Seelsorger dem Kranken Gelegenheit gibt, seine Ängste und vermeintliche Schuld auszusprechen, kann es dadurch dazu kommen, dass ihm das Evangelium (wieder) nahegebracht werden kann. Der Seelsorger muss sich jedoch der Tatsache bewusst sein, dass sein Helfenwollen, auf der Grundlage der Bibel, nicht sofort auf fruchtbaren Boden fällt. Denn, es ist die Tragik der Schwermut, dass der Kranke nicht nur der Versicherung, seine Schuldgedanken seien unbegründet, nicht glauben kann, sondern auch die durch Jesu Sühnopfer erfolgte Vergebung einer tatsächlichen Schuld nicht zu fassen vermag. Erst wenn die Krankheit (wobei es sich auch um Attacken/Anfechtungen aus der unsichtbaren, negativen Welt handeln kann!) im Abklingen begriffen ist, wird der Schwermütige einer, auf seine Nöte eingehenden, seelsorgerlichen Einwirkung, zugänglich. Dadurch kann ihm mehr als nur ein wertvoller Dienst erwiesen werden. Wenn sich daher die Schwermutängste plagen (oder du ggf. geplagt wirst!), brauchst du nicht ungeduldig oder hoffnungslos zu sein, sondern darfst glauben, dass die Tage der Qual ein Ende nehmen werden. Sieh doch deine Ängste als rein krankhaft an und starre nicht immer nur auf deine vermeintliche Schuld und auf diejenigen Worte der Bibel, aus denen du ein Verdammungsurteil entnimmst. Glaube vielmehr den Worten des Seelsorgers!!!, der dir die frohe Botschaft des Evangeliums verkündigt! Sie gilt auch dir – ja, gerade dir! Gott ist auch in der Zeit der Schwermut dein Vater – auch wenn du es nicht fühlen oder fassen kannst. ER ist dir ebenso nahe, wie in deinen gesunden Tagen, auch wenn ER dir ganz ferne erscheint. ER kennt deine Nöte und Anfechtungen, ER liebt dich und ist weit davon entfernt, dich zu verstoßen oder zu verdammen. Denke nicht, ER strafe dich für deine angeblichen Verfehlungen. ER lässt all das zu/hat dir ggf. dieses Kreuz auferlegt, weil es Sein heiliger Wille ist, und wird es dir wieder nehmen, wenn die Stunde der Befreiung/Gesundung gekommen ist – wie/wann auch immer. ER sieht aus deinen Selbstvorwürfen, dass du bußfertig bist. Deshalb kannst auch niemals die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen haben. Vielmehr hat ER dir alle deine Schuld vergeben. ER weiß auch, dass deine Unfähigkeit, dich aufzuraffen, nicht von deiner Willensschwäche, sondern nur von der krankhaften Hemmung deines Willens herrührt und dass deine seelische Kälte nicht mit Verstocktheit, sondern mit einer krankhaften Blockierung deines Gefühlslebens zusammenhängt. Wie kostbar, dass in den verschiedensten Ängsten und Nöten, die den Menschen befallen, die Heilige Schrift Antwort und Trost für ihn bereit hat, indem sie ihm für jeden Tag des Jahres eine neue und doch immer wieder alte, herrliche Botschaft zuruft: „Fürchte dich nicht!“ Gott will ihm damit sagen, dass ER als der Lebendige allzeit und allüberall bei ihm ist als der, der um seine Angst weiß und das letzte Wort
über sie spricht. ER will uns inmitten aller Schwachheit und Angst Seine Kraft vermitteln durch den Zuruf: „Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige!“ Offb.1:17-18.

Onanie – Masturbation – Selbstbefriedigung

Praktische Hilfen und Befreiung

Beschreibung
Man nennt die Selbstbefriedigung auch ‚Masturbation’ (‚mazdo turba’ > griechisch) > Erregung des männlichen Gliedes. – Die Bezeichnung ‚Onanie’ ist irreführend, weil das Wort einen ganz anderen, historischen Hintergrund hat und von einem biblischen Namen ‚Onan’ ableitet (1.Mo.38) – es ist offensichtlich, das dieser biblische Bericht nichts mit Selbstbefriedigung zu tun hat. Onan vollzog den Geschlechtsverkehr mit seiner Schwägerin und nahm im entscheidenden Augenblick das Glied aus der Scheide (coitus interruptus); die Tötung Onans von seiten Gottes ist darauf zurückzuführen, das Onan nur an sich dachte – er wollte keine Kinder zeugen, die ihm später nicht gehören würden und mit deren Arbeitskraft er dann nicht rechnen könne. Die unvorstellbar harte Strafe Gottes und das Missverständnis der Onanie haben im Lauf der Geschichte die Selbstbefriedigung mit einem bösen Makel behaftet. – Seitens der Kirche geschah durch die Kirchenväter keine rechte, sachliche Beurteilung der Selbstbefriedigung. Nach Cesar von Arles war es nicht erlaubt, nach nächtlichem, unfreiwilligem Samenerguss das Mahl des Herrn zu empfangen. Athanasius (365 n.Chr.) dagegen betrachtete den unfreiwilligen Samenerguß als eine gottgewollte, natürliche Selbstverständlichkeit und nicht als Sünde.

Man unterscheidet 2 Arten der Selbstbefriedigung:
1.) Ventil-Selbstbefriedigung = Als Ventil gegen den Überdruck der sexuellen Trieb-
energie > vorübergehendes Problem.

2.) Suchthafte Selbstbefriedigung = Zwangshandlung mit großen, seelischen Konflikten, die zur Verzweiflung treiben. Gerade der pubertierende Jugendliche ist dann bereits einem Orgasmuszwang unterworfen, den sonst nur der erwachsene, sexuell Süchtige kennt. Erst die Sucht verursacht Neurosen, die das gesamte Leben des Jugendlichen negativ verändern und zum Versagen auf manchen Lebensbereichen führen können.

Von der Selbstbefriedigung sind primär (aber nicht alleinig!) erzieherisch vernachlässigte Kinder, die bereits unter Schuldgefühlen leiden und Kinder mit Minderwertigkeitskomplexen betroffen.
Die Auswirkungen der Selbstbefriedigung sind oft Verlust an Selbstwertgefühl, bzw. der Selbstachtung, Selbst-Verdammnis, anschließende Verzweiflung, Neurosen und unter Umständen ggf. Impotenz.

Der Trieb, der in der Pubertät die Sexualität entwickelt, macht sich bereits nach der Geburt bemerkbar > Säugling – gewisses sexuelles Lustempfinden: Saugen an der Mutterbrust/Milchflasche/Daumen. - Mit 3 Jahren = Entdeckung der Geschlechts Organe, Steifwerden des Gliedes, Spielen damit > normale Entwicklung; Ablenkung durch Spielzeug, Sauberhaltung des Geschlechtsteiles. – Bis zum Alter von 11 – 14 Jahren kann man von Selbstbefriedigung kaum sprechen. – Danach: Kaum ein Junge bleibt von diesem Problem unbehelligt – meist stärker unter Jungen als unter Mädchen verbreitet. – Vielfach ist es der erste nächtliche Samenerguss, der unfreiwillig stattfindet und zur Wiederholung reizt. Die Phantasie bleibt zunächst noch unbeteiligt, nach und nach wird jedoch aus der rein körperlichen Befriedigung (um den Reiz zu erhöhen) auch die sexuelle Phantasie des Jungen beansprucht.

[Nach Kinsey Report: Bei älteren Mädchen und verheirateten Frauen stellt sich in der Zeit der Menstruation und der körperlichen Umstimmung, ebenfalls Selbstbefriedigung ein].

Bei Jungen im Alter von 12 – 16 Jahren am stärksten – verschiedene Häufigkeit – bei jungen Menschen mit wochenlangen Prüfungsängsten > mehrmals am Tag – erwachsene, junge Männer (ledig) mit Schwierigkeiten im Abschluss ihrer Berufsausbildung oder Examen an der Uni, neigen auch noch in dem Alter zur Selbstbefriedigung. Anormal wird es, wenn die Selbstbefriedigung noch am Ende ‚Reifezeit’ vor-kommt. Willensschwäche, Erbfehler bzw. dämonische Gebundenheit können Gründe und Ursachen sein. Ein natürlich entwickelter junger Mensch wünscht seine Triebe zu beherrschen. In der Tat ist die Bewältigung seiner Sexualität ein wesentliches Bewährungsfeld zur Persönlichkeitsentfaltung. Diese entwickelt sich niemals in der willen- und kampflosen Betätigung sexueller Triebe, sondern im Gegenteil gerade in ihrer Beherrschung. Es bedarf letztlich der sachlich-realistischen Behandlung dieser Problematik.

Selbstbefriedigung bei Mädchen und Frauen (christlich-gläubig).
Wenn auch diese Gewohnheit eine physische Spannung löst, ohne jemand anderen mit einzubeziehen, so ist sie doch eine Form pedantischer Eigenliebe. Sie kann auch und wenn wir sie noch so vernunftgemäß begründen- manche Schuldgefühle auslösen. Die Gewohnheit wird meistens häufiger und man könnte leicht an einen Punkt kommen, von dem es kein Zurück mehr gibt – oder an dem man sich fragt, wohin einen das noch führen wird. Phantasievorstellungen sind zu bedenken, die stets damit verbunden sind. Eigenliebe, Einsamkeit, Enttäuschung, körperliches Verlangen sind meist die Anstöße zur Selbstbefriedigung – aber Gott wünscht Seinen Kindern Besseres. – Der Geschlechtstrieb im rein physischem Sinn ist für Frauen nicht das Problem wie bei den Männern – er ist meist nicht so stark. Ein echter Antrieb ist wohl vorhanden, aber er ist mit einem großen, gefühlsmäßigen und psychologischem Bedürfnis verknüpft > Wir haben alle das starke Verlangen geliebt zu werden!

Ob man nun durch bloße Gedanken eine Reaktion erreicht (was übrigens einiges über die Macht der Gedanken sagt), oder ob sehr viel mehr Körperliches beteiligt ist jedenfalls gibt es wohl mindestens 4 Gefahren:

1.) Wenn einige die Selbstbefriedigung als eine Art ‚Anwärmen’ zur Vorbereitung auf das Hauptgeschehen des Sexualaktes befürworten, so ist dagegen einzuwenden, das man sich so sehr an seine spezifische Art von Selbstbefriedigung gewöhnen kann, das man dann später in der ehelichen Beziehung Schwierigkeiten hat, natürlich zu reagieren. Der Ehemann verhält sich vielleicht anders, als man es sich selbst ausgemalt hat.

2.) Die Phantasievorstellungen können ziemlich hässlich werden. Gott sagt: „Wie ein Mensch denkt, so ist er.“ Immer wildere Phantasien werden nötig sein, damit es zum Orgasmus kommt. – Was sagt die Bibel jedoch über Gedanken/Phantasien? = Falls wir in unseren Phantasien einen bestimmten Menschen sehen, wie verhält es sich dann mit der Feststellung Jesu „...wer jemanden ansieht, um ihn zu begehren, der bricht die Ehe?“

3.) Ein schüchternes Mädchen könnte dies ‚Verfahren’ leicht dazu benutzen, der Wirklichkeit oder jeder Mensch-zu-Mensch-Beziehung noch mehr auszuweichen.

4.) Manches könnte in das tatsächliche Leben hinüberfließen: Die PhantasieVorstellung im eigenen Zimmer könnten unter Umständen dazu führen, das wir JA sagen, wo wir eigentlich NEIN sagen sollten. Man sollte auch nicht die gewaltige Macht des Unterbewusstseins (des menschlichen Geistes) nicht vergessen: Wir können es (ihn) nicht kontrollieren – aber womit sich unser Bewusstsein befasst, dafür sind wir verantwortlich; und vom Bewusstsein aus dringt es weiter in die Tiefen der Persönlichkeit ein. „Richte deinen Sinn auf das Wahre, Gute und Rechte. Denke an reine, liebliche Dinge, an das Edle und Gute in anderen.“ (Philipper 4:8-9) > Gottes Anordnungen zur richtigen Geist-Ernährung.

In manchen Kulturbereichen existieren seit einiger Zeit Instrumente aller Art zur Selbstbefriedigung. Dazu regt auch noch Film und Presse an dies als einen „Heim-Sport“ zu betrachten. – Wie passt das jedoch zu unserer Erkenntnis von der Herrlichkeit Gottes – des Gottes, mit dem wir aufs Engste verbunden sind, und zu der Tatsache, das dein Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist? Können wir ernstlich an eine planvolle Ausübung der Selbstbefriedigung angesichts all dessen denken, was Gott durch Jesus für uns getan hat? Wir sind Gottes Kinder!

Ursachenforschung
Bei verstärkter Selbstbefriedigung, die lange Jahre anhält, ist oft das Verhältnis zum „Du“ gestört. Der Begriff „Selbst-Befriedigung“ macht das deutlich. Nicht umsonst sprechen daher einige Forscher von ‚Auto-Erotismus’ („autos“ = selbst + „eros“ = Liebe) oder von „Autismus“ = Ichhaftigkeit. Das „Du“ ist zwar bewusst und unbewusst gegenwärtig – wenn es aber nur hinzuphantasiert wird, fehlt letztlich die reale Hinwendung > der personale Bezug. Das „Du“ ist eher Mittel zum Zweck – es ist Ersatz-Objekt geworden. Darum weist der Psychopathologe von Gebsattel darauf hin, das häufige Selbstbefriedigung in der Regel im Zusammenhang und in Abhängigkeit von perversen Tendenzen auftritt, die ja insgesamt als Fehlformen der normgemäßen Liebeswirklichkeit anzusehen sind. Fetischisten, Voyeure, Exhibitionisten, Homosexuelle, Lesben, Sadisten, Masochisten und Menschen mit krankhaften Sexualtrieben,
sind immer starke Selbstbefriediger; und der Geschlechtsverkehr mit und ohne Partner trage immer einen autoerotischen Charakter (> von Gebsattel in „Phänomenologie und Psychpathologie der Onanie“). Chronische Verstopfung und Hautjucken an den Genitalien können auch Ursachen sein.

Andere haben sich derart an diese Art der Entspannung gewöhnt, das sie ohne diese körperliche Ermattung nicht einschlafen können = Schlaftablette. Schüler, die körperlich wenig beansprucht sind und ihre Phantasie in zweifelhaften Vorstellungen ‚baden’ neigen sehr dazu. Angst vor schweren Aufgaben, mangelnder Kontakt zu Eltern und Geschwistern sind weitere Gründe. Vielleicht sind die Eltern hart und lieblos, in ihrem Urteil ungerecht und mit ihrer Bestrafung unbesonnen – dann zieht sich der Junge in sein Schneckenhaus zurück und sucht „die Liebe an sich selbst“. Weiter neigen Kinder zur Selbstbefriedigung, die wenig Umgang mit Gleichaltrigen haben, Einzelgänger sind und sich eine Welt hinter verschlossenen Türen aufbauen. Man kann auch von Flucht in die Selbstbefriedigung sprechen. Angst, Mangel an Selbstvertrauen sind auch Auslöser. Andere wieder suchen den Ersatzgenuss, weil sie widerwillig zur Schule gehen und am Lernen keine Freude finden. Wer im Beruf versagt oder lustlos zur Schule geht und mit Minderwertigkeitskomplexen behaftet ist, von Eltern, Lehrern und Vorgesetzten nicht anerkannt oder missachtet wird, kommt meist schnell auf solche Gedanken.

Besonders schwer haben es diejenigen, die körperliche oder seelische Leiden haben, die durch Krankheit oder Unfall entstellt sind und von Freunden gemieden werden. Bei ihnen kann Selbstbefriedigung zum ständigen Begleiter ihrer Einsamkeit werden. Überhitzte Räume (Schlafzimmer), zu warme und zu weiche Betten sind weitere Ursachen. Verführung durch andere bei Fahrten, Ausflügen, Zeltfreizeiten und Herumtollen; es kann auch sein, das ein Kind im frühen Alter bisexuell veranlagt ist.

Auf junge Menschen, die nicht oberflächlich veranlagt sind, kann die Selbstbefriedigung wie ein Bann wirken, wenn sie ihr stark verfallen sind. Sie sehnen sich aber dennoch danach von ihr loszukommen. Sie fühlen, das sie unrecht tun. Sie kämpfen Tag um Tag und Woche um Woche und hoffen, der Macht des Triebes zu entrinnen. Aber, je mehr sie dagegen angehen, je mehr sie sich selbst beobachten, desto mehr werden sie von der Macht des Triebes hypnotisiert. Die Enttäuschung, wenn man wieder „gefallen“ ist, schafft Mutlosigkeit, Selbstverdammnis, Einsamkeit. Und, indem man sich enttäuscht und verlassen fühlt, düngt man damit bereits den Boden für eine neue Befriedigung. Das Ganze ist ein Teufelskreis. Häufige Selbstbefriedigung wirft den Menschen aus dem Gleichgewicht, macht ihn nervös und fahrig, er verliert sein Selbstvertrauen, läuft ständig mit Selbstverdammnis und Minderwertigkeitskomplexen herum.

Naturgemäß sind die meisten Begleitvorstellungen der Selbstbefriedigung nicht persönlich auf ein „Du“ gerichtet, sondern mehr kollektiv, automatisch und damit auch oft pervers. Darin besteht die eigentliche Gefahr der Selbstbefriedigung und darin ist sie die verbreitetste Form der Unzucht.

Ein anderer Grund, der chronischer Selbstbefriedigung zugrunde liegen kann, ist ein Gefühl der sexuellen Unzulänglichkeit. Menschen, die keine befriedigenden, heterosexuellen Beziehungen haben, können ein besonderes Bedürfnis haben, ihr sexuelles Vermögen sich selbst zu beweisen. Durch die Selbstbefriedigung versuchen sie sich bewusst oder unbewusst zu beweisen, das sie zu normalem, sexuellen Funktionieren fähig sind.

Behandlung und Hilfen
Betroffene Kinder und Jugendliche, die die ‚Ventil-Selbstbefriedigung’ praktizieren, sprechen bekanntlich nicht gern über ihre Not. Dennoch brauchen sie das Gespräch „aufklärender“ Art und helfende Information. Der süchtige Jugendliche ist zwar für Hilfe offen, aber das Gespräch reicht hier nicht aus. Es ist hier –wie bei allen Fällen der seelischen und körperlichen Abhängigkeit- eine intensive, seelsorgerliche Behandlung nötig, die nicht davor zurückschreckt ggf. fachliche Kompetenz hinzuzuziehen. Gelingt es aber, den Bereich der Gnade und das Kraftfeld Jesu zu erschließen so kann auch der süchtige Jugendliche Befreiung und Erlösung finden – und zwar letztlich in der „Sublimierung“ (> wird ein Triebimpuls in andere, konstruktive Bahnen gelenkt oder umgeformt, so spricht man von „Sublimierung“). Sublimierung ist also die Umformung und Umsetzung von Triebimpulsen einschließlich ihrer Energie und Dynamik. Sublimierung ist nicht allein das Produkt eigener Willensanstrengung. Ob jemand sublimieren kann, hängt davon ab, ob der junge Mensch insgesamt eine positive Lebenseinstellung gewählt hat und ob ihm Kräfte zur Verfügung stehen, die sein eigenes Kräftepotential und sein gutes Wollen überschreiten (vgl. Phil.4:13).

Paulus, der als hervorragendes Beispiel für die Vorgänge der Sublimierung zitiert wird, gewann durch die entscheidende und alles verändernde Wendung zu Jesus hin eine Basis für die Sublimierung > durch Glauben und Gebet nahm er die göttlichen Kräfte in Anspruch. Der reifende Jugendliche kann von dieser Basis aus die Prozesse der Abwehr steuern und die sublimierten Kräfte/Gaben sinnvoll und zielrichtig anlegen. Dem Prozess der Sublimierung verdanken wir großartige Ergebnisse – nämlich Ideen/Erfindungen, künstlerische Werke, musische Schöpfungen, pädagogische Neigungen und Fähigkeiten, literarische Höhenflüge, sportliche Leistungen und vieles mehr. Kreativität ist ohne den Vorgang der Sublimierung nicht denkbar.

Allerdings kann man nicht alles auf Sublimierung zurückführen, wie das die psychoanalytische Schule getan hat. Es gibt aus der lebendigen Gottesbeziehung, bzw. aus der Nachfolge Jesu heraus Erkenntnisse, Kräfte und Leistungen, die nicht mit Sublimierung zu erklären sind, sondern als Charismata (Gnadengaben von Gott) empfangen werden. Junge Menschen nach der Pubertät erleben die Möglichkeit der Sublimierung als einen Vorgang der Befreiung. Im Laufe des biologischen und seelischen Wachstums, gelingt ihnen diese Form der Triebbewältigung, der Verfeinerung und Vergeistigung in zunehmendem Maße. Gleichzeitig finden sie den Mut und die Freiheit sich Freunden, bzw. dem anderen Geschlecht zuzuwenden und schließlich zur partnerschaftlichen Beziehung.

Es gilt zu beachten, das keinem Menschen eine vollkommene Triebsublimierung gelingt. Es bleibt immer noch ein unsublimierter Rest, der sich der Kontrolle des Ich entzieht und für weitere Konflikte sorgt.

Die Praxis der Sublimierung
# Aufgaben im gesellschaftlichen Bereich vs. egoistische Tätigkeiten zum
Selbstzweck
# Ich-Du-Liebe vs. Ich-Liebe
# Schöpferische/Konstruktive Tätigkeiten vs. destruktive/zerstörerische,
egoistische Tätigkeiten.

Praktisches Beispiel
Klaus (14 Jahre) leidet unter seiner Zwiespältigkeit, Zerrissenheit, Isolation und anderen, typisch pubertären Schwierigkeiten. Im seelsorgerlichen Gespräch werden seine Nöte aufgedeckt. Klaus leidet vor allem unter zwanghaften Tagträumen mit sexuell gefärbten Inhalten. Nach den Gesprächen findet er den Mut, mit Hilfe seines Jugendleiters eine Gruppe asozialer Kinder zu betreuen. Er entwickelt Phantasie, hat Ideen, entfaltet Kräfte und verliert dadurch seine starken Minderwertigkeitskomplexe. Auch sein Egoismus nimmt mehr und mehr erträgliche Formen an. Vor allem aber wird er zunehmend frei von seinen sexuellen Phantasieträumen. Klaus sublimiert also Energien, die ihm zuvor Not bereiteten und gewinnt zunehmend Freude am Dienstag mit diesen schwierigen Kindern. Trotz einiger Rückschläge wird er zunehmend ein guter Gruppenführer, der sich selbst entfaltet und auch glaubensmäßig reift.
(aus W.Wanner/Jugendpsychologie/S.75-78).

Praktische Anregungen (Hilfen)
Achte darauf, wann und wo sich die Neigung bemerkbar macht und unternimm im voraus etwas dagegen. Falls es ein Zeitvertreib nach dem Aufwachen ist, stell deinen Wecker in die entgegengesetzte Ecke des Zimmers, sodass du aufstehen musst, um ihn abzustellen; steck dann die Kaffeemaschine ein und mach dich auf den Weg zur Dusche. Merke dir = Es hilft nicht, zerstörerische Gedanken nur zu unterdrücken – sie müssen durch andere (bessere) ersetzt werden. – Verspürst du das Verlangen mitten in der Nacht oder vor dem Einschlafen, dann sorge dafür, das du genügend Ablenkung neben dem Bett bereitliegen hast, um dich gleich damit zu beschäftigen, sobald du merkst, das es wieder eine von diesen Nächten wird. Dreh das Licht an,
schalte deinen MP3-Player mit einer Predigt/Praise-Music ein, halte ein gutes, spannendes Buch bereit – und, weshalb auch nicht etwas essen? Backe Plätzchen, schneide ein Kleid zu oder nähe, male ein Bild usw. etc. – Letztlich = Lenke deinen Trieb in andere Bahnen!
Beten und Lobpreis hilft! Aber tue es, bevor du dich dabei ertappst, dich in der Welt der Phantasievorstellungen zu tummeln – sobald das anfängt, ist es schon reichlich spät. Eine klare Entscheidung im voraus, ehe der Herr helfen muss, ist wichtig. Übergib deinen Willen, dein Sexualleben und deine Vorstellungskraft Jesus, da ER dich völlig versteht – und sei dabei realistisch. Gott hat unserem Denken eine erschreckende Macht gegeben und die Phantasie ist ein Gespann feuriger Rosse, das den Willen hinter sich herschleift.

Versuche einen Psalm zu lesen, ehe du das Licht ausmachst. Lass Gottes Wort deine Gedanken versiegeln und in dein Unterbewusstsein eindringen, wenn du schlafen gehst. – Falls du dich plötzlich wieder bei dieser Gewohnheit erwischst = Nicht in panischen Schrecken geraten! Du kannst mit deinem Herrn darüber reden – dem Herrn, der dich zu befreien vermag! Möglicherweise gibt es auch einen verständnisvollen Menschen, mit dem du darüber sprechen kannst. Eine weise Bemerkung eines leitenden Geistlichen = „Ich rate niemals jemandem zur Selbstbefriedigung. Wohl aber sage ich: ‚Und wenn du es tust, wird der Herr es dir vergeben, so wie Er dir auch anderes vergibt – ich stelle damit aber keinen Freibrief aus...!“

Wenn du Selbstbefriedigung ausübst, mag sie dir zwar etwas Trost und Erleichterung bringen – ich glaube aber, du wirst dir im hellen Tageslicht selber besser gefallen, wenn du es mit Gottes Hilfe durchgestanden hast. Verliere den Mut nicht – falls du feststellst, das du in einer Woche 4 oder 5mal unterlegen warst und es auf ein- bis zweimal vermindern kannst, dann freue dich! Gott kennt wahrhaftig unsere Schwächen und wird uns weiter/hindurch helfen. Es gibt oft Versuchungen und manches Versagen – einen Schritt vor und zwei Schritte zurück – aber unser Gott ist ein siegreicher Gott und ER kümmert sich um alles, was dich gefangen hält. Er möchte, das du eine wahrhaft befreite Frau (oder Mann) wirst.“
(Gini Andrews/Dein halber Apfel, Eva/S.74-76).

(Dr. med. A. Lechler/Briefe an Angefochtene/S.64ff.) > Antwort auf einen Brief:
„Das Ihre sexuellen Nöte Sie als Christ in zahlreiche Anfechtungen versetzen, kann ich gut verstehen. Sie erkennen ja wohl, das die Selbstbefriedigung, auch wenn sie bei Jugendlichen und jungen Männern außerordentlich verbreitet ist, dem Wort der Heiligen Schrift, widerspricht, die klar bezeugt, das unser Körper ein Tempel des Heiligen Geistes sein soll. Wenn Sie bedenken, das Ihr Leib, den Sie Gott ausgeliefert haben, nicht mehr Ihnen, sondern Gott gehört, so sind Sie auch für alle Handlungen, die Sie an Ihrem Leib (der Gott gehört) IHM gegenüber verantwortlich und können von daher mit Ihrem Körper nicht mehr nach eigenem Gutdünken verfahren. (1.Kor.3:16,17; 6:9; 9:25-27). Was die Frage der gesundheitlichen Schädigung durch die Enthaltsamkeit betrifft, so ist solche nur dann ggf. angezeigt, wenn Sie Ihre Phantasie bewusst aufpeitschen und dann, wenn der Trieb aufs Höchste gestiegen ist, die Auslösung zu unterdrücken suchen. Wenn Sie jedoch danach trachten, Ihre Gedanken rein zu halten (unter den Gehorsam Jesus ggb. zu bringen), Ihre Augen, Ohren und Hände in Zucht zu nehmen und alles zu meiden, was Ihre Sinne erregen könnte, werden Sie Ihren Trieb weitestgehend unter Kontrolle halten können und es wird dann von einer gesundheitlichen Schädigung durch Abstinenz keine Rede sein. – So kann man die Frage der gesundheitlichen Schädigung durch geschlechtliche Enthaltsamkeit geradezu als eine Frage der Disziplin des Gedankenlebens bezeichnen. Bei konstruktiv-richtiger Ablenkung der Gedanken beinhaltet die Enthaltsamkeit keinesfalls körperlichen Schaden. – Es gibt allerdings nicht wenige Menschen –und zu diesen scheinen Sie zu gehören-, die von ihren Vorfahren eine starke Sinnlichkeit geerbt haben. Dadurch kann Ihr Glaube in schwere Anfechtungen geraten. Es erscheint in der Tat zunächst unverständlich und ggf. grausam, das die Nachkommen unter der Schuld ihrer Vor- väter zu leiden haben. Aber darin offenbart sich die Heiligkeit Gottes, der die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern. Die von den Vorfahren begangene Schuld prägt sich bei den Nachkommen vielfach im Denken und Handeln, in Charakter und Wesensart aus. So haben auch Sie unter dieser Schuldverhaftung zu leiden. Weil Sie dadurch an die Unreinheit gebunden sind und auch Ihre Versuchlichkeit besonders stark ist, ist auch der Kampf für Sie besonders schwer. Daher gilt es auch für Sie, in besonderer Weise Selbstzucht zu üben – hinsichtlich Ihrer Gedanken und Ihrer ganzen Lebensweise. Sehr wichtig ist die Trainierung des Körpers durch Turnen und Sport, sowie die Vermeidung von reichlichem Fleischgenuss und Alkohol.

Wollen Sie es nicht auch einmal mit mehrtägigem Fasten versuchen? Es ist bekannt, das das Fasten zur Bezwingung des Geschlechtstriebs beiträgt. – Auch müssen Sie alle Gelegenheiten meiden, die Ihrer Versuchlichkeit zur Gefahr werden könnte. Am Morgen stehen Sie am Besten gleich nach Erwachen auf, damit Sie nicht von den unreinen Gedanken überfallen werden. Durch solche Maßnahmen kann auch ein abnorm starker Geschlechtstrieb wesentlich eingedämmt werden. Vor allem aber vermag der Geist Gottes Ihnen Kraft zu schenken, gegen Ihre übergroße Sinnlichkeit anzugehen. – Die Erbanlage, die seelische wie auch die körperliche, bleibt, trotz der
Übergabe an Gott, bestehen – es darf aber doch gesagt werden, das die Kraft der Erbanlage durch den Geist Gottes mehr und mehr gebrochen wird, sodass sie nicht mehr verderblich wirken kann. Durch eine bewusste Lösung aller satanischen Einflüsse – durch wahre Buße, durch eine klare Absage an den Feind und durch die vollmächtige Bitte eines Seelsorgers, das der Geist der Unreinheit weiche, werden auch Sie allmählich, ggf. nach einem längeren Zeitraum, fähig werden, den immer wiederkehrenden Versuchungen zu widerstehen. Je mehr Sie an Christus gebunden sind, um so mehr verlieren sich die satanischen Bindungen – je mehr der Geist Gottes von Ihnen Besitz ergreift, um so mehr tritt der Geschlechtstrieb in den Hintergrund (Gal.5:16-24). So wird schließlich das Gesetz der Heimsuchung der Missetat der Väter an Ihnen aufgehoben und die Verheißung, das Gott an Tausenden Seine Gnade erweist, wird sich in Ihrem Leben erfüllen (2.Mo.20:5; 34:7).

Allerdings werden Sie durch das Ringen in eigener Kraft mit noch so guten Vorsätzen nicht zum Ziele kommen. Ihr Kampf muss vielmehr in dem steten Aufblick zum allgegenwärtigen, lebendigen Herrn bestehen, der am Throne Gottes auch für Sie Fürsprache einlegt. – Kommen nicht Ihre vielen Rückfälle daher, das Sie noch Gefallen an der Sünde haben oder das Sie im Gebetsleben lau geworden sind?

Ernstes und anhaltendes Gebet in Verbindung mit täglichem Lesen in der Bibel ist ebenfalls unerlässlich im Kampf mit dem Feind. Dazu muss der felsenfeste Glaube kommen, das Satan durch Jesu Tod und Auferstehung besiegt ist und das ein solcher Glaube auch Ihnen den Sieg schenken wird. Danken Sie dem Herrn Jesus immer wieder für Seine Erlösungstat am Kreuz und rühmen Sie Sein Blut – auch wenn Sie noch nicht ganz frei geworden sind! Wenn Sie trotzdem zunächst noch Niederlagen erleiden, so lassen Sie auf keinen Fall den Mut sinken! Bitten Sie vielmehr sofort nach jeder Niederlage Gott um Vergebung! Sie dürfen dies unter der Bedingung tun, das Ihnen die Sünde leid tut und das Sie den ehrlichen Willen haben, mit ihr zu brechen. Dann vergibt Ihnen Gott jedes Mal aufs Neue und Sie dürfen Klagelieder 3:22-23 für sich in Anspruch nehmen. Auch wäre es verkehrt, wenn Sie die Selbstbefriedigung höher bewerten als
andere Sünden. Satan liegt sehr viel daran, Ihnen diese Sünde als eine besonders schwere hinzustellen, die Gott Ihnen nicht vergeben wird, weil Sie ja immer wieder rückfällig werden. Aber Satan lügt! Gott vergibt Ihnen diese Schuld ebenso wie jede andere Sünde, wenn Sie ehrlich davon frei werden wollen. Denken Sie auch daran, das Jesus gerade solchen Menschen, die sich auf diesem Gebiet versündigt hatten, Seine erbarmende Liebe erwies! Und wie oft saß ER mit Hurern, Huren und Sündern zusammen um ihnen zu helfen! Wenn Sie aber die unvergebene Schuld mit sich herumtragen und die Bitte um Vergebung immer wieder aufschieben, geraten Sie nur noch mehr unter die Macht des Feindes und in immer stärker werdende, seelische Not. Verlieren Sie auf keinen Fall den Glauben an Ihre völlige Befreiung! Es ist eine List Satans, wenn er Ihnen einredet, das ein gänzlicher Sieg ausgeschlossen sei. Je mehr Sie es lernen IN Jesus zu bleiben, um so mehr bleibt ER IN Ihnen (Joh.15:4) und dann erfahren Sie das von Ihnen erwähnte Wort an sich: „Wer in mir bleibt, der sündigt nicht.“ (1.Joh.3:6) – das heißt ‚er wird nicht mehr in bewusste Sünde fallen.’

Dann gibt es auch nicht mehr das ständige Auf und Ab. Wenn Sie auf diese Weise in der Kraft Jesu den Sieg erlangen, wird Ihr Geschlechtsleben für Sie nicht mehr ein Anlass zu Anfechtungen und Gemütsdruck sein, sondern Sie werden innerlich erstarken und nicht nur an Ihrem Geiste, sondern auch an Ihrem Leibe Gott preisen können (1.Kor.6:20). Ein solches Siegesleben soll nicht erst im Jenseits oder im Millenium Wirklichkeit werden, sondern es kann real schon hier in diesem Leben beginnen. Eine wesentliche Hilfe im Kampf um die Reinheit kann ein Beichtvater sein. Ebenso wertvoll kann das Versprechen sein, das Sie Gott ablegen, zunächst einmal nur für einen Tag den triebhaften Gedanken und Handlungen nicht mehr nachzugeben. Am nächsten Morgen wiederholen Sie Ihr Versprechen vor Gottes Angesicht. Suchen Sie sich einem solchen Versprechen nicht durch den Einwand zu entziehen, das Sie es ja sowieso nicht halten können. Glauben Sie mir, wenn Sie dieses Versprechen wirklich ernst nehmen, wird Gott Ihnen die Kraft schenken, es zu halten! Sollten Sie es aber doch einmal gebrochen haben, so würde Gott Sie nicht fallen lassen, sondern in Seiner Barmherzigkeit Ihnen vergeben – falls Sie Reue darüber empfinden. Solch ein Versprechen, das Sie Gott aus Liebe geben, ist weit entfernt von einem Ringen aus eigener Kraft, denn es erfolgt im Vertrauen auf Seine Hilfe und aus Dankbarkeit für Seine Liebe.

(R.Ruthe/Intim gefragt, offen geantwortet/S.20-24) =
Zunächst mache man sich klar, das es völlig unsinnig ist, sich mit Selbstvorwürfen zu zermartern, sich für verdorben und verkommen zu halten und das Vertrauen zu sich selbst zu verlieren. Es hat auch keinen Zweck sich laufend selbst zu beobachten. Gott bestraft den nicht, der die Gabe des Geschlechtstriebs noch nicht beherrscht! Es empfiehlt sich morgens sofort aufzustehen. Eine gute Gemeinschaft mit Freunden und Kameraden (Mitchristen) und innergemeindliche Aktivitäten sind wichtig! Abgeschlossenheit und Einsamkeit sind gefährlicher Nährboden. Aussprache! Hilfreich ist auch ein kaltes Duschen am Abend und am Morgen – es verhindert gewissen Blutstauungen und damit verbundene Erregungen. Keine Hilfe bieten moralische Appelle.

Eine falsche, seelische Einstellung gegen den Beruf, die Arbeit, die Gemeinschaft, Schule, Familie und sich selbst verstärkt die Selbstbefriedigung. Selbstbefriedigung ist Egoismus – Eigen-Liebe. Sie will Lust und verkehrt den Trieb, der uns um der Ehe willen von Gott gegeben wurde. – In dem Buch von J. Piper „Zucht und Maß“ heißt es: „Für den Menschen gibt es zwei Wege der Hinkehr zu sich selbst – einen selbstlosen und einen selbstsüchtigen. Nur der erste wirkt Selbstbewahrung, der zweite ist zerstörerisch. Die Menschenkunde unserer Zeit hat den Gedanken ausgesprochen: Echte Selbstbewahrung sei eine Hinwendung des Menschen zu sich selbst, deren wesentliches Merkmal darin liege, das der Mensch nicht sich selbst ansehe. Zucht ist selbstlose Selbst-Bewahrung. Unzucht ist Selbst-Zerstörung durch selbstorientierte Entartung der auf Selbstbewahrung abzielenden Kräfte.“

Die katholische Moraltheologie vertritt etwa folgenden Standpunkt, wie ihn Prof. R. Angermair in dem Buch „Die Zeit der geschlechtlichen Reifung“ auf S. 207 beschreibt: „Bezüglich der Selbstbefriedigung nun liegt das primäre Geschehen in der Verwirrung der gottgewollten Ordnung, in der Verleugnung des menschlichen Wesens nach seiner individuellen, sozialen und universellen Seite zugleich.... wie weit die einzelne Tat subjektiv und damit wirklich Sünde, bzw. schwere Sünde ist, hängt von den subjektiven Voraussetzungen ab, davon also, wie klar die augenblickliche Erkenntnis und Aufmerksamkeit und wie frei der Wille war .... - nicht das physische Geschehen verschuldet eben „Sünde“ und nicht ein schuldlos noch zu schwacher Wille, sondern nur der ‚schlechte’ Wille – die freie, personale Stellungnahme.“

Ein schlechtes Gewissen muss nicht immer eine echte Gewissensäußerung sein. Es kann sich einfach auch um einen „Dressurerfolg“ handeln. Angst vor Strafe, Angst vor Krankheit, Angst vor späterem, sexuellen Versagen sind oft die Folgen einer falschen Erziehung. „Du wirst schon erleben, was dabei herauskommt!“ Alle Abschreckungsmethoden der Eltern und Erzieher, die es gut meinen, sind äußerst bedenklich. Gerade sensible, labile Kinder und junge Menschen leiden sehr unter solcher Beeinflussung. Wer einem Jungen einredet, das er durch Selbstbefriedigung
impotent wird, der muss in Rechnung stellen, das der Junge eines Tages wirklich impotent ist, weil der Betreffende es nämlich glaubt, es sich einbildet und dann eine „Impotenz“ produziert, die natürlich seelisch bedingt ist.

Der hypnotische Blick auf „die Sünde“ kann unempfindlich für andere Fehler, Schwächen und Lieblosigkeiten machen. Echte Hinkehr zu sich selbst ist Hinkehr zu Gott. Und Hinkehr zu Gott ist das Wissen um Vergebung. Wer glaubt, weiß Christus als Mit-Träger seiner Last. Es gibt keine Liebe, die nur auf sich selbst gerichtet ist – es gibt nur die Liebe, die auf das DU gerichtet ist. Zur Liebe gehören Zwei und zur Zeugung gehören Zwei. Und die Ehe ist das eigentliche Ziel.“
(Dr.W.Margies/Heilung durch Sein Wort/S.197) = „Der Lustcharakter, den die zwanghaften Versuchungen im sexuell-unreinen Bereich überwiegend aufweisen, stellt sie in einen scheinbaren Gegensatz zu dem Zwangserleben der Anankasten, die ihre Zwänge als peinigend erleben. Und doch haben beide Erlebnisformen die gleichen Ursachen, nämlich Einwirkungen von ichfremden, dämonischen Kräften. Im Falle der lustbetonten Sexualprobleme übernimmt unser Wille (die Psychoanalyse würde sagen: Unser Ich) den Zwangsimpuls und bejaht ihn trotz der erkannten, zwanghaften Aufdringlichkeit, weil das angebotene Trieberleben als schön und Lustentspannung verschaffend empfunden wird. Der Wille wird zwar quasi überfahren – er lässt es aber zu und tut dabei so, als ob er es tatsächlich und bleibend hätte verhindern können – das Besiegtwerden verschafft Behagen. Das kurzfristig schöne Resultat der Lust verschafft Behagen und vermittelt dem Willen die Suggestion trotz des Überwundenseins doch frei zu sein. Aber auch im Sexualbereich können die Impulse als nicht-lusterzeugend erlebt werden, was dann geschieht, wenn sie dem Inhalt nach weit von der normalen Lustbefriedigung entfernt sind. Das trifft besonders für Perversionen zu.

Es ist eben ein Unterschied, ob man beispielsweise Selbstbefriedigungs-Problemen nur mit guten Ratschlägen beizukommen sucht oder gar verharmlost und so der Christ genötigt ist, weiterzukämpfen und zu verlieren, oder ob man den Feind beim Namen nennt und durch gebietendes Gebet ein Symptom einfach ausradiert. Das wird für den Betreffenden jeweils ein glorreicher Sieg Jesu sein, der von Ruhe und Entspannung gefolgt ist. Trotz aller nachfolgenden Versuchungen haben Befreiungen dieser Art etwas vom Charakter einer endgültig siegreichen Schlacht an sich.“

Bei einem jungen Mann, der vielfältige, sexuelle Nöte hatte, schwand auf Gebet hin nur ein Teil der Symptomatik. Besonders die Selbstbefriedigungs-Problematik, an der der junge Mann litt, wurde nicht beeinflusst. Nach einiger Zeit wurde offensichtlich, weshalb in diesem Bereich keine wirkliche Befreiung eintrat. Der junge Mann ver-harrte noch in verschiedener Hinsicht im Ungehorsam, sodass Gott keine Handhabe hatte, ein ganzes Werk zu tun. Gerade im Umgang mit diesen Problemen bekommt man immer wieder den Eindruck, das die erkennbaren Geschehnisse nur der sichtbare Ausdruck von Abläufen zwischen der Macht Gottes und derer der Finsternis sind, die sich nach einer festen Kriegs- und Besitz-Ordnung richten. Gottes Mächte können nur in dem Umfang die Befreiung durchsetzen, wie sie von den Willensentschlüssen der belasteten Christen dazu autorisiert werden.“

(Weißes Kreuz/“Das Problem der Selbstbefriedigung“/S.9-16) = Beurteilung + Hilfe
„Die Geschlechtlichkeit ist dem Menschen vom Schöpfer um der Ehe willen gegeben. Gott will die Einheit von Mann und Frau nach Geist, Seele und Leib (Matth.19:4-6). Das Einswerden der Eheleute dient zugleich der Zeugung neuen Lebens und damit der Erhaltung der Menschheit (1.Mo.1:27-28). Von dieser göttlichen Sinngebung her erweist sich jede vorzeitige und hiervon abweichende, geschlechtliche Betätigung als sinnwidrig, als herausgesondert aus dem großen Ordnungszusammenhang. Da die Selbstbefriedigung dem von Gott gegebenen Sinn unserer Geschlechtlichkeit nicht entspricht, bedeutet sie einen Missbrauch gottgeschenkter Kräfte. Theologie- Professor O. Piper urteilt so: „Onanie ist ein Laster, weil sie gegen das Gesetz der gegenseitigen Zuordnung im geschlechtlichen Leben verstößt. Es ist auch eine Sünde gegen die Gemeinschaft. Die Selbstbefriedigung ist geschlechtliche Betätigung ohne die Möglichkeit der Liebe. Sie stärkt daher in einem Menschen die Neigung sein Leben für sich selbst zu leben, statt es als eine Gabe anzusehen, die er für andere Menschen benutzen soll.“

Jede Sünde stört das Verhältnis zu Gott. Die Gewissensbelastung derer, denen die Selbstbefriedigung Not macht, ist deshalb durchaus ernst zu nehmen. Die persönliche Gemeinschaft mit Gott im Bibellesen und Beten ermangelt der Freudigkeit und Gewißheit. Wer bewusst und unbußfertig in der Sünde beharrt, läuft Gefahr, das Gott sich von ihm zurückzieht und schweigt. Die Sünde macht einsam. Solche Isolierung bedeutet eine gefährliche Hemmung des geistlichen Lebens. „Soviel Lebens- und Spielraum dem Geschlechtstrieb und seinen Regungen zuviel eingeräumt wird, soviel wird allen übrigen Lebensinhalten und –werten entzogen.“ (Dr. med. Emsmann).

Es wird heute oft und stark betont. das sittliche Normen keine für alle Zeiten feststehenden Größen sind. Aus den heutigen, allgemeinen Gepflogenheiten des sexuellen Verhaltens sei daher eine „neue Moral“ abzuleiten, die uns zu einem „guten“ Gewissen verhelfe ...

Der Soziologe Prof. Schelsky sagte dazu: „Wir bestreiten die Methode Kinseys und seiner Parteigänger, die Normen so ändern zu wollen, das man die Faktizidität des Verhaltens einfach selbst zur Norm erhebt. Damit ist in der Tat der Konflikt zwischen Moral und Triebtendenzen (Triebwünschen) gelöst – aber praktisch auf Kosten der Moral.“ (in „Soziologie der Sexualität“).
Die „neue Moral“ offenbart nicht nur einen Wandel der moralischen Auffassungen, sondern eine Verleugnung moralischer Werte überhaupt. Und damit wird dem Anarchismus der Weg bereitet!“

In der ‚Ulmer Denkschrift’ (1965), die 400 Ärzte unterschrieben, wird über ‚Wesen der Sexualität und ihre Degeneration’ unter anderem gesagt: „Die schöpferischen Kräfte und Energien des Menschen sind im biologischen und intellektuellen Bereich eng miteinander verbunden. In ihnen liegen die stärksten Potenzen und größten Möglichkeiten für die Erschaffung. Entwicklung und Erhaltung der Persönlichkeit und Kultur.“ Es könnte viel Unheil vermieden werden, wenn allen jungen Menschen der Sinn und Wert ihrer Geschlechtlichkeit rechtzeitig und in rechter Weise gedeutet würde. Wenn wir die uns gestellte Aufgabe lösen wollen (gegen Toleranz und Sucht der Selbstbefriedigung anzugehen), dann muss auch unser Wille in Anspruch genommen und geübt werden. Es gibt nun einmal Mächte, die stärker sind als unser Wille (Röm.7:22-24).
Die Selbstbefriedigung ist nicht die eigentliche Not, die behoben werden muss, sondern nur ein Symptom einer sehr viel tiefer liegenden Störung. Die Geschlechtlichkeit ist dem Menschen im Paradies verliehen worden. Sie kann nur in der Gemeinschaft mit Gott recht gelebt werden. Nun hat sich der Mensch im Sündenfall von Gott abgesondert. Damit ist er aus dem Kraftfeld Gottes herausgetreten. Bestenfalls lässt der Mensch Gott noch am Rande seines Lebens gelten. Im beherrschenden Mittelpunkt aber steht sein eigenes Ich. Er missbraucht die ihm geschenkten Kräfte (u. a. auch seine Geschlechtlichkeit), wie auch die seiner Mitmenschen zu seiner eigenen,
ichhaften Ergötzung und Vergötzung. Und wenn er das schon als verkehrt erkannt hat und anders denken und leben will, so fehlt ihm doch die Kraft zur Verwirklichung seiner guten Vorsätze.

# Der Mensch bedarf der göttlichen Vergebung.
# Der Mensch bedarf der göttlichen Erlösung.
# Der Mensch bedarf der Versöhnung mit Gott.

Buße – Glaube – Gehorsamsbereitschaft. – Diese 3 Schritte gelingen nur wenigen Menschen ohne seelsorgerliche Anleitung und Hilfe. Wer wirklich helfen will, der muß den die Halbherzigen und Kompromissnaturen zu einer eindeutigen Hingabe ihres Willens an Jesus führen, ermahnen und ermutigen. Gott aber erfüllt jeden Menschen, der auf diesem Wege in die persönliche Gemeinschaft mit Jesus tritt, mit Seinem Heiligen Geist. Dieser Geist der Freude und Keuschheit (Gal.5:22), der Kraft, der Liebe und der Zucht (2.Tim.1:7) befähigt ihn zur fröhlichen Überwindung und auch zu einer neuen Wertung seines Körpers (1.Kor.6:19-20).

Herausführung aus der Vereinsamung
Die Vereinsamung kann sowohl Anlass als auch Folge der Selbstbefriedigung sein. Der vereinsamte Mensch ist laufend mit sich selbst beschäftigt. Darum raten wir ihm dringlich einen Kreis gläubiger Menschen aufzusuchen. Das „Wir-Erleben“ gibt seinem Leben einen neuen Inhalt (Das „Wir- und das Gott-Erleben“!). Hier bedarf es freilich eines unermüdlichen Zuredens und Mutmachens.

Wer Aufgaben übernimmt und sich um deren Erfüllung in selbstverleugnender Liebe müht, der vermeidet am Besten jenen gefährlichen ‚Leerlauf’, der so vielen zur Ver-suchung wird. Es gibt kein wirksameres Mittel, um den engen Kerker egoistischer Wünsche und Gedankengänge zu zerbrechen, als den Dienst am Mitmenschen, bzw. den Dienst für die Verbreitung des Evangeliums.

Die Verzagtheit überwinden
Der Kampf um die Beherrschung unseres Trieblebens dauert an, so lange wir leben. Die Gemeinschaft mit Jesus eröffnet uns wohl ganz neue Aussichten für diesen Kampf, aber sie enthebt uns dieses Kampfes nicht. Mangelnde Wachsamkeit und Treue, vor allem die Verlagerung unseres Vertrauens von Jesus auf uns selbst, führt nicht selten zu schmerzlichen Rückfällen. Gott verfolgt weise Erziehungsabsichten damit, wenn er uns nicht zu „Krafthelden“ werden lässt. Der satanische Gegenspieler ist aber eifrig bemüht, Menschen über solche Erfahrungen in die Verzagtheit (und Schlimmeres) zu stürzen. Das Evangelium bietet uns einen wundervollen Trost (und weit mehr als das!) wider alle Verzagtheit, das wir mit unserem Versagen immer wieder zu Jesus kommen dürfen, das Er nicht müde wird, uns unsere Sünden zu vergeben (1.Joh.2:1-2), das wir in Jesu Namen immer wieder einen neuen Anfang wagen dürfen ...!

Verschiedene Autoren > zusammengestellt von Peter Susemihl